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Palimpsest
Heute gibt es keine Helden mehr. Denken wir. Moderne Helden? War mal. Und cool wurden wir ohnehin schon geboren. Keiner macht uns irgendetwas vor. Und was im Fernsehen zu sehen ist, ist auch bloß verdrehte Wirklichkeit. Wie auf einer einsamen Insel stehen ein paar Kulissen in einem leeren, weiten Studioraum. Die Kameras sind aufgebaut, die Talk-Show kann beginnen. Der Politiker blickt gelassen in die Kamera, der Talkmaster wird gleich routiniert seine Fragen abspulen.
Plötzlich stürmen bewaffnete Männer ins Studio. Verwirrung folgt. Gehört das zur Sendung? Ein neuer Gag? Schnell wird klar: Das ist wirklich. Der weißhaarige Anführer entläßt den Talkmaster. Er soll gehen. Doch der albanische Politiker muß bleiben. Was passiert? Warum bleiben die Geißelnehmer auf Sendung? Minuten voller Spannung folgen. Auf den Monitoren vor dem Studio ist zu sehen, daß sich immer mehr Fernsehstationen aus der ganzen Welt zuschalten. Diese Leute müssen verrückt sein. Wissen sie nicht, daß auch die Polizei nicht untätig bleibt?
Warum fliehen sie nicht? Draußen wird auch der CI5 tätig. Harry Malone übernimmt das Kommando. Seine Leute werden eiligst zusammengerufen. Curtis, der dunkelhaarige Brite noch im Trainingsanzug, Tina Backus im (sehr) kleinen Schwarzen, der Amerikaner Keel im lässigen Ausgeh-Outfit. Während sich Malones Truppe vorbereitet, und als erstes in schwarze Einsatzkleidung wechselt, entwickelt sich im besetzten Studio ein Tribunal, daß live in alle Welt übertragen wird
Auch die Geißelnehmer sind Albaner, sie klagen Risha, den Politiker, im Namen des Volkes schlimmster Verbrechen an. Risha, ein eher harmlos wirkender, mittelalter Mann mit Halbglatze und Schnurrbart, versichert, daß hier ein Irrtum vorliegen muß. Mitleiderregend blickt er immer wieder in die Kamera. So überzeugend wirkt er, daß selbst Panos, der stoische Anführer für einen kurzen Moment zu zweifeln beginnt.
Währenddessen zeigen die CI5-Leute, daß sie hier die Profis sind. Curtis und Keel sollen auf Position auf der Beleuchtungsbrücke gehen. Nahezu lautlos bewegen sie sich durch das stille Studiogebäude. Da ein Geräusch! Auf dem Dach? Chris Keel übernimmt.
Malone muß sich währenddessen mit der Polizei-Einsatzleitung und "der Ministerin" auseinandersetzen. Während Polizei und Politik eigene Interessen in den Vordergrund stellen, zeigt sich, daß sich Malone auf seine ausgewählte Crew verlassen kann. Keel sichert die Sendeanlagen auf dem Dach, auch wenn zwei Polizeileute das verhindern wollen. Im Notfall kämpft der CI5-Agent eben auch gegen die eigene Polizei..
Sam Curtis hat mittlerweile die Beleuchtungsbrücke erreicht. Von unten dringen die Stimmen der "Verhandlung" herauf. Unbeirrt von dem, was er hört, bewegt sich Curtis über die schmalen Stege, bis er direkt über den Albanern ist. Der schwarze Rucksack wird sachte abgesetzt. Kein Laut darf nach unten dringen. Routiniert entnimmt er die Sicherungsriemen, steigt mit dem linken, dann dem rechten Fuß hinein, streift sie über die Schultern. Unten spitzt sich die Lage zu. Risha ist schuldig, so sehen es seine Ankläger. Er soll sterben für seine Verbrechen, jetzt und hier. Curtis bleibt kühl. Er weiß, daß sie nur Erfolg haben können, wenn alles nach Plan zusammenwirkt. Keel kommt endlich auch auf die Beleuchtungsbrücke. Ebenso diszipliniert wie Curtis streift er die Sicherungsriemen über, zieht die schwarze Mütze an, nimmt die Tränengasbombe in die Hand.
Malone hat währenddessen seinen Standort an der Studiotür erreicht. Eine Sprengladung wird angebracht. Alles soll gleichzeitig passieren. Die beiden auf der Beleuchtungsbrücke müssen das Signal geben. Während Panos seine Waffe auf Risha richtet, gibt Curtis endlich das ok...
Innerhalb weniger Minuten ist alles vorbei. Kein Schuß ist gefallen. Die Explosion hat allerdings ein großes Loch in die Studiowand gerissen. Tina Backus hat das blonde Mädchen, daß die Übertragung der "Verhandlung" gesichert hat, überwältigt. Risha ist schon wieder obenauf. Herablassend dankt er Malone für seinen Einsatz. Dieser verzieht keine Miene. Curtis hat den Revolver von Panos und übergibt ihn seinem Chef. Dabei wird klar, das die Waffe überhaupt nicht geladen war. Während die Geißelnehmer abgeführt werden, fordert Malone Risha in eisigem Tonfall auf, zu gehen.
Schließlich stehen Malone und seine Leute im Büro des Studiochefs, der zum erfolgreichen Gelingen gratuliert. Doch die Stimmung bleibt gedrückt, auch als der Studioleiter erklärt, daß Risha seine Strafe finden wird: ab dem nächsten Morgen werden die Medien sich auf ihn stürzen. Skeptisch fragt Chris Keel, ob das genug ist? Malone bringt es auf den Punkt, bei der Sachlage, was ist da überhaupt genug?
Die Lichter gehen aus.
rg 22.12.1999
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