-The Cleaning Ladies comments to Very Female
Unbeschreiblich weiblich
"Da haben sich die beiden ganz schön in die Nesseln gesetzt. Erst haben Sie den Kronzeugen in dieser Mafia-Geschichte verlegt und erstmal nicht wiedergefunden na ja und dann...Du hast doch diese arrogante blonde FBI-Agentin gesehen oder?" Susan beugte sich noch weiter über den Tisch und rückte dabei die beiden Biergläser ein bischen nach rechts.
"Du meinst die, die im HQ ihre Nase in alles gesteckt hat und zu der Sam so überaus - hm - höflich war?"
"Genau die...umpf ...dreh dich nicht um. Wenn man von Curtis und Keel spricht...Da kommen sie gerade...Hallo!"
Die zwei Frauen, die eine in einem blauen Kostüm, die andere in schwarzen Hosen und grauer Bluse, nickten freundlich ihren beiden Kollegen zu. Der "Chop and Ingot" war immer noch der Lieblings-Pub der CI5-Leute, obwohl er seit den 70er Jahren mindestens drei Besitzer überlebt und zweimal umgebaut worden war. Chris ließ im Vorbeigehen seinen Blick in Sekundenschnelle über Anns Gestalt streichen. Ann setzte sich automatisch etwas gerader hin. Chris's Grübchen vertieften sich. Sam neigte seinen Kopf um maximal einen Zentimeter und sah ansonsten ganz so aus, als ob er in Gedanken an einem anderen, eher unerfreulichen Ort wäre.
Von einem ungefähr fünf Meter entfernten Tisch winkte plötzlich eine attraktive Brünette mit strahlendem Blick in die Richtung von Chris und Sam. Die beiden hatten offenbar den "Chop and Ingot" wiedermal als Treffpunkt für ein Rendezvous gewählt.
"Typisch!" dachte Susan. So brauchten sie vom HQ aus nur eine Straße überqueren und waren schon da. Und - wie Sam mal ungerührt bemerkt hatte, ebenso schnell konnten sie auch wieder im "Laden" sein, wenn ein Notruf kam... Na ja. Ihr Fall war eine solche Behandlung ja nicht. Aber offenbar gab es immer wieder Mädels, die auf die beiden hereinfielen. Natürlich sahen die Jungs gut aus, keine Frage. Und, um ehrlich zu sein, wenn man erstmal klargestellt hatte, daß man kein Interesse hatte, benahmen Sie sich sogar ziemlich nett... Nett war eigentlich auch, das sie offensichtlich gar nicht wahrnahmen, wieviele verstohlene weibliche Blicke ihnen auf ihrem Weg durch den Pub folgten.
Wer wohl die Brünette und ihre dunkelhaarige Freundin war? Sie auf jeden Fall hatte die beiden hier noch nie gesehen. Die Brünette war wahrscheinlich wieder eine von Chris's Eroberungen, der Intensität nach zu schließen, mit der sie ihm bei der Begrüßung in die Augen sah - und ihre Freundin sollte wohl Sam becircen. Der sah allerdings gar nicht so aus, als ob ihm das gefallen würde. Armer Sam. Die Sache mit der falschen FBI-Agentin mußte ihn doch ganz schön mitgenommen haben.
"Susan?" Susan wandte sich wieder Ann zu, die immer noch mit einem halbem Auge in Richtung Chris spähte. "Ja?" "Ich muß langsam gehen. Kommst Du mit?" "Klar. Wird Zeit." Die beiden erhoben sich. Ann drehte sich nochmal um, aber Chris war inzwischen von der Brünetten ganz und gar vereinnahmt worden. Sam hatte sich derweilen, allerdings mit deutlichem Abstand, neben der Dunkelhaarigen niedergelassen.
Die Dunkelhaarige kicherte nervös. "Hi. Ich bin Chantal" meinte sie. "Hi. Ich bin Sam" sagte er mit einem Verziehen der Mundwinkel. Toller Dialog. Das ging ja gut los. Und dann das affektierte Kichern. Ihr Rock war zu kurz. Am Ausschnitt war ein Stück Ihres BHs zu sehen. Keine Klasse. Ganz anders, als... Für einen kurzen Moment sah er wieder ihr schönes Gesicht vor sich, so, wie er es zuletzt gesehen hatte: Umrahmt von goldenem Haar, die Augen halb geöffnet. Ein Engel, vom Tod getroffen. Ein Todesengel. Die Einschußwunde über den Augen war kaum zu sehen gewesen. Chris hatte den finalen Schuß abgegeben.
"Sam..." Chantal hatte einen Vorstoß gewagt und die rechte Hand auf seinen linken Unterarm gelegt. Unwillkürlich spannten sich die Muskeln seines Armes und er sah sie gleichzeitig mit einem so abweisenden Blick aus eisgrauen Augen an, daß das Mädchen erschrocken innehielt. Sam setzte ein maliziöses Lächeln auf. "Du möchtest bestimmt was trinken, stimmts?" fragte er mit seiner besten Samtstimme. "G-Genau." "Genau." "Chris!" Ruckartig hatte er sich von ihr abgewandt und plötzlich mit lauter Stimme gesprochen. Chantal zuckte zusammen. "Chantal möchte etwas trinken!" sagte er mit Betonung. "Ich gehe zur Bar!" "Okay" meinte Chris gleichmütig, "bring mir ein Bier... Eve...auch? Gut." "Genau!" bestätigte Sam und wandte sich wieder Chantal zu. "Und Du, was möchtest Du, Chantal?" "D-das gleiche". "Genau!" wiederholte er nochmals, nahm vorsichtig ihre Hand, die immer noch bewegungslos auf seinem Unterarm ruhte und legte sie behutsam auf den Tisch.
An der Bar angekommen bestellte er die Getränke und noch extra einen doppelten Scotch Malt Whisky, den er ohne große Umstände im Stehen trank. Normalerweise trank er nur wenig, aber heute war eindeutig ein Tag für echten Scotch. Nicht schlecht. "Nochmal dasselbe". Er kippte auch das zweite Glas herunter. Wirklich nicht schlecht. "Nochmal!" Aber den dritten würde er jetzt mitnehmen. Genau!
Sam balancierte das Tablett mit den Getränken zum Tisch zurück und stellte es ab. Chantal hatte sich inzwischen wieder gefangen. Allerdings vermied sie den Blick in Sams Gesicht. Sie kicherte wieder. Na toll. Sam griff zum Whiskyglas. Chris, der seinen Freund unauffällig beobachtet hatte, runzelte leicht die Stirn. Chantal war kein Erfolg, soviel war klar. Das Klappern von hochhackigen Schuhen lenkte ihn kurzzeitig ab. Beiläufig blickte er der rassigen Rothaarigen hinterher. Sam hatte nicht mal aufgesehen. Er war inzwischen mit dem Whisky fertig und wandte sich seinem Rotwein zu. Eve bemühte sich, ein Gespräch in Gang zu bringen, an dem sich schließlich auch Chantal mit leicht brüchiger Stimme beteiligte. Ab und zu warf sie einen nervösen Blick auf den Mann neben ihr, sah aber jedesmal schnell weg, wenn Sam seinen Kopf auch nur leicht in ihre Richtung drehte. Sams Gesprächs-Beitrag bestand hauptsächlich in gelegentlich eingeworfenen "Genaus!", die Chantal jedesmal zusammenzucken ließen. Die Kleine schien inzwischen zu einem Entschluß gekommen zu sein. Zielstrebig trank sie den letzten Rest Ihres Bieres, setzte ein strahlendes Lächeln auf und meinte schließlich "So! Tut mir leid Leute, aber ich muß leider gehen..." "Genau!" murmelte Sam. Seine Augen hatten inzwischen einen leicht verschwommenen Ausdruck. Chantal drehte sich ohne ein weiteres Wort um und ergriff die Flucht.
Am Tisch herrschte nach Chantals Abgang ungemütliches Schweigen. "Eigentlich habe ich keine große Lust mehr, noch länger hier zu bleiben" ergriff schließlich Chris das Wort. Eve warf ihm einen glühenden Blick aus halb geschlossenen Augen zu. "Ich auch nicht" erwiderte sie mit sehr dunklem Timbre. Chris linke Augenbraue hob sich. "Sam! was ist mit dir?" Chris blickte seinem Partner ins Gesicht und rüttelte leicht an seinen Schultern. "Eve und ich wollen noch...woanders hingehen. Ist das okay? Okay. Ich nehme den Ford. Für Dich bestelle ich ein Taxi. Ich glaube, du willst heim, stimmts? " "Ge... Gut" "Okay".
Er fühlte in seiner linken Jackentasche nach dem Autoschlüssel und holte gleichzeitig aus der rechten sein Handy, um das Taxi zu bestellen. Chris sprach mit halblauter Stimme in das Handy und meinte dann: "Gut, das läuft. Das Taxi ist in 10 Minuten da, alles klar?" "Alles klar". Sam erhob sich vorsichtig, aber mit immer noch geschmeidigen Bewegungen von seinem Stuhl. Eve und Chris taten es ihm nach. Händchenhaltend folgten sie Sam zur Tür. Draußen in der frischen Luft lehnte sich Sam tief aufatmend elegant an die Hauswand, um auf das Taxi zu warten. "Sam...wir gehen jetzt, okay?" Sam blickte auf die beiden, die noch näher zusammengerückt waren, und lächelte wieder maliziös. "Okay". Chris richtete kurz die Augen gen Himmel, warf einen letzten Blick auf seinen Partner und trollte sich schließlich mit seiner Freundin in Richtung Parkplatz, der ungefähr zwei Minuten entfernt lag.
Eine Minute später stoppten die beiden an einem strategisch günstig gelegenen, dunklen Hauseck in gegenseitigem, stillen Einvernehmen. Eve legte die Arme um Chris Nacken und begann in leidenschaftlich zu küssen. "Zu dir oder zu mir?" murmelte Chris nach einiger Zeit und zog sie noch enger an sich. "Zu mir..." stöhnte Eve. Chris versuchte an seine Autoschlüssel zu gelangen, ohne Eve loßlassen zu müssen. Wo waren die verflixten Schlüssel? Auf dem Parkplatz legte jemand einen Kavaliersstart hin. Chris ließ Eve los und begann in seiner anderen Jackentasche zu suchen. Nicht da. Vom Parkplatz drang das Geräusch quietschender Reifen herüber. Das Auto fuhr viel zu schnell auf die Parkplatzausfahrt zu und bremste viel zu heftig. Chris, nunmehr völlig abgelenkt durch das Schauspiel, blickte plötzlich das Fahrzeug mit ungläubigem Staunen an. Das Auto sah gottverdammt wie der Ford aus!
"Zum Teufel nochmal! SAM!!" Chris spurtete los, sprang über die Motorhaube zur Fahrerseite und riß die Tür auf. Sam sah mit kaltem Lächeln auf. "Ich fahre heim" erläuterte er im Plauderton und wollte die Tür wieder schließen.
"Herrgott noch mal! Das tust Du NICHT!!!" schrie Chris in äußerster Empörung und hielt die Tür fest. Jeder versuchte, die Tür in seine Richtung zu ziehen . Plötzlich kicherte Sam und ließ den Griff los. Chris ließ auch den Griff los, allerdings unfreiwillig, und landete mit gehörigem Karacho auf dem Boden. Fuchsteufelswild sprang er vom Boden auf. "VERDAMMT!!" Sam beobachtete ihn interessiert und lächelte. "Und HÖR auf zu LACHEN!!" Außer sich vor Zorn begann er, das Auto mit Fußtritten zu bearbeiten. Das brachte endlich Sam dazu, mit dem Lachen aufzuhören. Das erste Mal an diesem Höllen-Tag mit echtem Gefühl in der Stimme rief er "Hey, nicht das Auto! Hör auf!" und begann aus dem Wagen zu klettern. Chris hatte sich währenddessen wieder einigermaßen beruhigt. Schwer atmend zog er Sam ganz heraus und setzte sich selbst hinters Lenkrad. Sein Blick wandte sich automatisch dem Pub-Eingang zu, vor dem gerade ein Wagen vorfuhr. Das mußte das bestellte Taxi sein.
"Und hier ist auch dein Taxi!" sagte er mit Nachdruck.
"Verflixt! Und wo ist eigentlich Eve?" Chris begann wieder aus dem Wagen zu steigen. Gleichzeitig zog er den Zündschlüssel ab. "Eve??" rief er. Noch während er nach ihr rief, nahm er eine eindeutig weibliche Gestalt wahr, die sich zielstrebig in Richtung Taxi bewegte. War das Eve? Bitte nicht!. "EVE!!" schrie Chris noch lauter. Die Gestalt warf die langen Haare nach hinten und ging schneller. Chris begann zu laufen. Doch Eves Vorsprung war zu groß. Sie hatte das Taxi erreicht, riß die hintere Tür auf und ließ sich mit einem lässigen Schwenken der Hüften hineingleiten. Während Chris das Tempo erhöhte, fuhr der Wagen an, gewann rasch an Geschwindigkeit und war schließlich in der schwarzen Nacht verschwunden.
Atemlos blieb Chris mitten auf der Straße stehen und starrte für eine lange Minute in die Dunkelheit. Na Klasse. Er drehte sich abrupt um und begann langsam zum Ford zurückzulaufen. Am Wagen angekommen meinte er in äußerst trockenem Tonfall zu Sam, der neben der Fahrertür stehen geblieben war: "Steig schon ein - aber NICHT auf der Fahrerseite - das das klar ist!" Sam warf im einen spöttischen Blick zu und begann aufreizend langsam um das Auto herumzuschlendern. Er warf sich in den Wagen und klopfte einladend mit der rechten Hand auf den Fahrersitz. Chris ließ sich Zeit mit dem Einsteigen. Umständlich kramte er nach dem Zündschlüssel, steckte ihn langsam ins Zündschloß, ruckelte ein paar Mal, ohne den Wagen wirklich anzulassen und legte schließlich beide Hände aufs Lenkrad, während er blicklos durch die Windschutzscheibe starrte.
"Weißt Du was?" sagte Sam in leicht verwischtem Tonfall "wir gehen in den Pub zurück und trinken noch was."
"Blödsinn" erwiderte Chris. "Du bist sowieso schon bedudelt wie ein schottischer ...Dingsda. Glaubst du, ich habe die zwei Doppelten, die du an der Bar getankt hast, nicht gesehen?"
"Dann... fahren wir...in diesen Aufreißschuppen, von dem du mir neulich erzählt hast..."
Langsam und widerwillig begann sich in Chris linker Wange ein Grübchen zu bilden. "Eve ist wirklich ein Heuler... Sie ist einfach..." Unbewußt begannen Chris Hände in der Luft üppige Kurven zu formen "...unbeschreiblich..."
"...weiblich?" beendete Sam den Satz. Die zwei starrten gedankenverloren einige Sekunden vor sich hin.
"Genau!" sagte Chris. Beide begannen plötzlich loszuprusten. Chris ließ schließlich den Motor an. "Und jetzt Sam, jetzt fahre ich dich nach Hause..."
rg 22.01.2000
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