Die Figuren aus der TV-Serie "Die Profis" gehören deren derzeitigen Rechte-Inhabern. Da diese Story nur zu meinem eigenen Vergnügen - und dem des geneigten Lesers - geschrieben wurde, habe ich mir erlaubt, die Jungs auszuleihen, und gehe davon aus, dass dies keine Verletzung nationalen oder internationalen Copyright-Rechts darstellt.
Diese Story basiert auf einer Idee von Renate und wurde zusammen mit ihr und Susi geplottet.
Winterdepressionen
Das schrille Klingeln seines Weckers reißt Doyle aus einem unruhigen Schlaf. Ohne das Licht anzuschalten, tastet er nach dem Wecker und schaltet ihn aus. Es ist 6.30 Uhr morgens und draußen ist es stockdunkel. Mit einem Seufzer dreht sich Doyle auf den Bauch um, zieht das Kissen über den Kopf und versucht, weiter zu schlafen.
Es dauert lange, bis schließlich ein entferntes Klingeln sein Unterbewusstsein erreicht. Er tastet erneut nach seinem Wecker, muss jedoch feststellen, dass dies nicht die Ursache des Geräusches ist. Schließlich wird ihm bewusst, dass jemand seine Türglocke drückt. Er blickt auf die Anzeige seines Weckers. Oh Gott, schon 7.00 Uhr. Bodie ...!"
Benommen steht er auf, zieht sich seinen Morgenmantel über und betätigt den Türöffner. Bodie eilt die Treppen herauf und sieht Doyle ungläubig an.
Hey, was ist los mit Dir? Du bist ja noch gar nicht angezogen. Geht's Dir nicht gut?" fragt Bodie besorgt. Doyle lag erst vor ein paar Wochen mit einer schweren fiebrigen Erkältung im Bett, nachdem er einen unfreiwilligen Sprung in die Themse gemacht hatte.
Nein, ich bin okay. Ich habe nur vergessen, den Wecker zu stellen, und nachdem es draußen so dunkel ist, habe ich total verschlafen." Doyle hat kein schlechtes Gewissen dabei, diese Notlüge zu benützen. Wie sollte er auch Bodie sagen, dass er einfach den Wecker ausgeschaltet, sich umgedreht und weiter geschlafen hat? Machst Du uns schnell einen Kaffee, während ich dusche und mich anziehe? Aber bitte extra stark für mich!"
Klar." Bodie geht in die Küche, während Doyle im Badezimmer verschwindet. Sehr zu seinem Gefallen findet Bodie eine Swiss Roll in Doyles Schrank und nachdem der den Kessel aufgesetzt hatte, lässt er es sich schmecken.
Kaum dass das Kaffeewasser gekocht hat, ist Doyle auch schon fertig.
Das war aber Rekordzeit. Hier, Dein Kaffee. - Vorsicht, heiß."
Doyle trinkt vorsichtig seinen Kaffee. Bodie ist mehr als erstaunt, dass Doyle dieses Mal Zucker in den Kaffee gibt und es keinen Kommentar wert findet, dass Bodie fast die Hälfte der Swiss Roll aufgegessen hatte. Normaler Weise versucht ihn Doyle immer mit seinem Heißhunger auf Swiss Roll aufzuziehen, aber heute kein Wort.
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Draußen regnet es leicht. Ein Nieselregen, typisch für November. Doyle zieht den Kragen seiner Jacke hoch und murmelt vor sich hin: Dieses Mist-Wetter, und es wird noch nicht einmal richtig hell heute. Verdammt!"
Was sagst Du, Sunshine?"
Ah, Sunshine ist gut. Wo bitte siehst Du hier Sonnenschein? Ich sehe nur dicke dunkle Wolken am Himmel hängen!" fährt Doyle Bodie an.
Bodie ist überrascht. Mit so einer Reaktion hatte er nicht gerechnet. Er kann sich nicht vorstellen, was er Schlimmes gesagt haben soll, das so eine wütende Reaktion seines Partners hervorgerufen haben könnte. Doch bevor er weiter darüber nachdenken kann, sieht er, dass in seinem Capri das Funkgerät blinkt. Schnell schließt er den Wagen auf und meldet sich mit 3.7 hier"
Hier 6.2. Alpha erwartet Dich und 4.5 in Soho." Murphy gibt ihm die genaue Adresse durch.
Okay, ich hab's. Wir sind auf dem Weg. 3.7 over and out."
Bodie fährt schweigend zu der angegebenen Adresse. Zwar ist er erstaunt, dass Doyle nicht nachfragt, was los ist, aber nach dem Ausbruch von vorhin wundert ihn eigentlich nichts mehr und wenn Doyle schlechte Laune hat, dann ist selbst er machtlos dagegen. Er hat die Erfahrung gemacht, dass man Doyle dann am Besten ganz in Ruhe lässt.
Der Einsatzort ist großräumig abgesperrt. Sie müssen den Wagen etwa 100 Meter entfernt parken. Doyle zieht ein missmutiges Gesicht, als er aus dem Wagen aussteigt und durch den Nieselregen geht. Der Polizist lässt sie durch die Absperrung, nachdem sie sich ausgewiesen hatten.
Cowley erwartet sie bereits in dem kleinen Geschäft. Es ist ein Waffengeschäft, spezialisiert auf Handfeuerwaffen und Messer.
Na endlich. Bodie, Doyle, das Geschäft von Mister Atkins ist heute Nacht ausgeraubt worden. Es wurden nur ganz bestimmte Waffen gestohlen. Mister Atkins ist gerade dabei, eine Liste aufzustellen."
Welche Waffen, Sir?" fragt Bodie.
Es sieht so aus, als ob mehrere großkalibrige Pistolen gestohlen wurden, darunter auch mehrere Remington 45!"
Bodie pfeift durch die Zähne. Wohl ein echter Liebhaber ..."
... oder ein Spezialist. Darüber hinaus sind mehrere Bowie-Messer gestohlen worden und jede Menge Munition."
Gewehre?"
Ja, aber, so wie es bis jetzt aussieht, nur Schrotflinten."
Und was hat der CI5 damit zu tun?" Doyle, der bisher nur teilnahmslos dagestanden hat, stellt diese Frage in einem aggressiven Tonfall.
Cowley sieht ihn aufmerksam an, beschließt jedoch, ihn nicht zurechtzuweisen und erklärt in sachlichem Ton: Das ist jetzt schon der fünfte Einbruch in ein Waffengeschäft innerhalb kürzester Zeit. Der oder die Täter gehen immer nach dem gleichen Muster vor und nehmen auch immer nur die selben Waffen mit. Es sieht fast so aus, als ob ein Auftragsjob dahinter steckt."
Oder nur eine Horde Halbwüchsiger, die sich für einen Bandenkrieg bewaffnen wollen. Der Laden hier sieht mir nicht sehr sicher aus. Der oder die Einbrecher hatten offensichtlich leichtes Spiel." bemerkt Bodie.
Ja, meine Herren, das ist, was ich möchte, dass Sie herausfinden. Ich erwarte schnellstmöglichste Resultate. Ich möchte Sie beide in zwei Stunden in meinem Büro sehen, dann bekommen Sie die Berichte zu den anderen Einbrüchen. In der Zwischenzeit fragen Sie in der Nachbarschaft herum, ob irgendjemand etwas gesehen oder gehört hat."
Klinkenputzen." raunt Doyle verächtlich.
Ja, Klinkenputzen, Doyle. Haben Sie dagegen etwas einzuwenden?" fragt Cowley scharf.
Doyle schüttelt nur den Kopf und Bodie zieht ihn aus dem Laden. Er verkneift sich die Frage, was denn nun wirklich mit ihm los ist, als er den harten Ausdruck in Doyles Augen sieht.
Erwartungsgemäß ergab die Befragung der Nachbarschaft keine Erkenntnisse. Keiner hatte oder wollte etwas gesehen haben.
Das ist doch immer dasselbe. Wenn es ihnen selbst an den Kragen geht, schreien sie um Hilfe. Wenn es aber um andere geht, dann schauen sie weg." bemerkt Bodie, als sie in seinen Capri steigen und zum HQ fahren. Er ist nicht verwundert, dass Doyle weiterhin den Schweigsamen spielt.
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Im HQ angekommen, gehen sie sofort, nachdem sie ihre feuchten Jacken in ihr Büro gehängt hatten, in Cowleys Büro. Dort lagen bereits die Akten der vier vorausgegangenen Einbrüche parat.
Studieren Sie die Akten genau, meine Herren, suchen Sie nach Gemeinsamkeiten. Der Minister erwartet ein baldiges Ergebnis."
Beide nicken nur, Doyle nimmt die Akten und sie gehen zurück in ihr Büro.
Will der Alte uns jetzt schon sagen, wie wir unseren Job zu tun haben?" schimpft Doyle. Suchen Sie nach Gemeinsamkeiten - glaubt der Alte wirklich, wir wüssten nicht das nicht selbst?"
Bodie ignoriert Doyles Ausbruch und fragt nur lapidar: Willst Du auch Tee?"
Ja," kommt die einsilbige Antwort von Doyle.
Bodie verlässt das Büro und atmet draußen auf dem Gang tief durch. Doyle ist schon die Pest, wenn er schlechte Laune hat. Na, hoffentlich vergeht die bald wieder.'
Aber auch eine Tasse Tee scheint keinen positiven Einfluss auf Doyles Laune zu haben. Bevor sich Bodie von Doyles schlechter Laune anstecken lässt, greift er zum Telefon und versucht Marty zu erreichen. Nach ein paar Telefonaten hat er endlich die richtige Nummer bekommen und auch das Glück, ihn dort sofort zu reichen.
Hallo Marty, hier Bodie. Hast Du kurz Zeit für mich?"
Klar, alter Junge, an der üblichen Stelle in einer Stunde, okay?"
Ja, bis dann, Marty."
Ohne Doyle zu fragen, ob er mitkommen will, greift Bodie zu seiner Jacke und sagt nur Bis später dann."
Doyle zeigt keine Reaktion.
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Das Gespräch zwischen Marthy und Bodie ergibt nichts Neues. Marthy ist verwundert, dass Bodie ohne seinen Partner kommt. Er verspricht Bodie, sich umzuhören und ihm Bescheid zu geben, sobald er etwas hört. Bodie, eigentlich spiele ich ja in einer höheren Liga. Wenn es um Gewehre ginge, wüsste ich schon, wo ich ansetzen könnte, aber bei Pistolen, Schrotflinten und Messer, also da habe ich auf Anhieb keine Idee."
Wir bleiben in Verbindung, Marthy, und danke."
Wofür, Bodie? - Ist schon gut, also dann bis bald."
Sie verabschieden sich und Bodie läuft durch den Nieselregen zu seinem Auto. Nachdenklich lässt er sich in den Fahrersitz sinken. Pistolen, Schrotflinten und Messer, das ist schon eine eigenartige Mischung." murmelt Bodie vor sich hin. Auf den Weg zum HQ zurück macht er noch an einer Imbissbude Halt und genehmigt sich einen Hamburger. Jetzt ist er froh darüber, dass Doyle nicht dabei ist, sonst hätte er ihn wohl wieder einen Vortrag über Cholesterin gehalten. Oder vielleicht doch nicht? Die Swiss Roll heute Morgen hatte er auch wortlos hingenommen. Bodie schüttelt verwundert den Kopf. Heute wird er einfach nicht schlau aus seinem Partner.
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Den Nachmittag verbringen Beide gemeinsam in ihrem Büro. Er ist ausgefüllt mit Aktenstudium und Telefonaten mit den von den ersten vier Einbrüchen betroffenen Personen, wie den Besitzern der Geschäfte und den an den Ermittlungen beteiligten Polizeibeamten. Gegen 18.00 Uhr beschließt Bodie, dass es für heute genug ist und bietet Doyle an, ihn nach Hause zu fahren. Oder willst Du lieber noch ins Pub?"
Nein, danke, ich bin müde. Ich will nach Hause, okay?"
Okay."
Draußen ist es bereits schon wieder dunkel, dafür hat der Nieselregen aufgehört. Bodie versucht mit Doyle ein Gespräch zu beginnen, sieht jedoch sofort ein, dass es heute zwecklos ist. Also dann bis Morgen, ich hole Dich um 7.00 Uhr ab. Schönen Abend noch und gute Nacht."
Ja, bis Morgen, Bodie." Schnell verschwindet Doyle im Hauseingang.
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Die nächsten paar Tage verbringen Bodie und Doyle damit, noch einmal persönlich mit den Betroffenen zu sprechen. Doyles Laune scheint sich nicht gebessert zu haben. Er ist nach wie vor sehr wortkarg, jedoch sind seine Bemerkungen nicht mehr so aggressiv. Er wirkt ruhig und in sich zurückgezogen.
Von Marthy erhält Bodie keinen Hinweis, der ihnen weiterhilft. Marthy verspricht ihm jedoch, weiter zu forschen.
Sowohl Bodie als auch Doyle klappern ihre weiteren Informanten ab, aber anscheinend sind keine Waffen aus diesen Einbrüchen im Umlauf. Eine Remington 45 ist schon eine Aufsehen erregende Waffe, aber es scheint so, dass keine auf dem Schwarzmarkt angeboten wird. Auch von den Bowie-Messern scheint keines angeboten worden zu sein.
Also entweder es sind Profis, die die Waffen auf Bestellung geklaut haben, oder es sind doch Jugendliche, die sich für einen neuen Bandenkrieg rüsten." sinniert Bodie.
Ja, auf jeden Fall sind es eine Menge tödlicher Waffen, die da zusammengeklaut wurden. Ich möchte nur ungern in den Lauf einer Remington oder in den abgesägten Lauf einer Schrotflinte blicken. Und nach der Menge von Munition, die sie mitgenommen haben, können sie einen ordentlichen Krieg starten, egal, wer auch immer diese Waffen hat." Doyle läuft ein Schauder bei den Gedanken an Remingtons in den Händen von Jugendlichen über den Rücken.
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An diesem Abend kann Bodie Doyle dazu überreden, mit ihm ins Pub zu gehen. Doch es wird kein gemütlicher Abend. Doyle scheint nur eines im Sinn zu haben, nämlich sich vollaufen zu lassen. Bodie versucht ihn zu bremsen, aber Doyle zischt ihm nur entgegen: Bist Du meine Mutter, oder was?"
Bodie beschränkt sich auf zwei Bier, während sich Doyle an doppelte Whiskeys hält. Um das Schlimmste zu verhindern, drängt er auf einen frühen Aufbruch. Doch Doyle ist nicht gewillt, bereits jetzt nach Hause zu gehen. Er versucht, Bodie zu provozieren und Streit mit ihm anzufangen. Bodie bleibt nach außen hin ruhig, auch wenn er innerlich brodelt.
Jetzt ist es aber genug, Sunshine. Ich bringe Dich nach Hause!"
Das Wort Sunshine" lässt Doyle zusammenfahren. Er wird schweigsam. Schwankend steht er auf und zeigt keine Gegenwehr, als ihn Bodie stützend unter den Arm greift und ihn zum Wagen bringt. Mit einem Seufzer lässt er sich schwer in den Beifahrersitz fallen und von Bodie nach Hause fahren.
Soll ich Dich noch hoch bringen?" fragt Bodie besorgt.
Nein, danke, das schaffe ich schon, bis Morgen dann."
Bodie blickt Doyle versonnen nach und schüttelt nur den Kopf. Er kann sich nicht erklären, was mit seinem Partner los ist. Schlechte Laune, ja, die kennt er von Doyle, aber die hält jetzt schon mehrere Tage an und das kommt Bodie schon irgendwo merkwürdig vor.
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Als Bodie Doyle am nächsten Morgen abholt, sieht dieser Mitleid erregend aus. Tiefe Ringe zeichnen sich unter seinen Augen ab. Doch er hält sich eisern und erledigt seine Arbeit gewissenhaft.
Was machst Du eigentlich am Wochenende, Doyle, vorausgesetzt, der Alte lässt uns nicht arbeiten." Bodie hatte übersehen, dass Cowley im Türrahmen ihres Büros steht.
Der Alte lässt Euch am Wochenende arbeiten!" erwidert Cowley scharf.
Bodie stammelt nur Entschuldigung, Sir.", während Doyle zu Boden blickt.
Was haben Sie über den Waffendiebstahl herausgefunden?"
Bodie blickt Doyle fragend an, dieser schüttelt nur leicht den Kopf und Bodie berichtet über ihre bisherigen Ergebnisse. Zum Abschluss fügt er hinzu: Wer immer auch die Waffen gestohlen hat, sie sind entweder nicht mehr auf unserer Insel oder noch unter Verschluss."
Wohl eher noch unter Verschluss. Interpol teilte uns mit, dass nirgendwo gestohlene Handfeuerwaffen aufgetaucht sind, vor allem keine Remingtons 45." fügt Cowley ergänzend hinzu. Bleiben Sie am Ball, meine Herren. Und Doyle, Sie sollten mal wieder früher ins Bett gehen."
Ja, Sir." erwidert Doyle gehorsam.
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Auch der Dienst am Wochenende bringt die Beiden keinen Schritt weiter in ihren Ermittlungen. Doch endlich am Montag Vormittag meldet sich Marthy bei Bodie.
Bodie, können wir uns sofort treffen? Ich habe einen heißen Tipp!"
Wie üblich?"
Ja, aber auf dem schnellsten Wege und bring dieses Mal Deinen Partner mit!"
Okay, Marthy, bis gleich. - Auf, Doyle, Marthy scheint einen heißen Tipp zu haben."
Beide schnappen sich ihre Jacken, laufen die Treppen hinunter bis zu Bodies Capri. Bodie legt einen Kavaliersstart hin, mit dem er so manches Girl hätte beeindrucken können. Ohne Rücksicht auf das Tempolimit erreicht Bodie in Rekordzeit den vereinbarten Treffpunkt mit Marthy.
Marthy nickt Doyle nur zu und wendet sich sofort an Bodie. Hier, auf dem Zettel steht die Adresse. Es soll in diesen Minuten der Handel über die Bühne gehen."
Wer steckt dahinter, Marthy?" erkundigt sich Bodie ungeduldig.
Sorry, Bodie, das ist alles, was ich Dir sagen kann. - Und seid vorsichtig!" Marthy hat es eilig, wegzukommen.
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Bodie reicht Doyle den Zettel. Verdammt, ein unangenehmer Ort. Die Lagerhäuser dort sind total runtergekommen und die Gegend ist nicht sehr übersichtlich."
Ja, ich rufe Verstärkung. - 3.7 an Zentrale. Wir brauchen Verstärkung, sofort." Bodie gibt die Adresse durch.
Tut mir Leid, 3.7, es wird etwas dauern. Wir haben gerade einen A1 erhalten."
Verdammt! - Dann aber so schnell wie möglich, okay. Wir checken schon mal die Lage. 3.7 over and out."
Was hältst Du davon, Bodie?"
Es ist riskant, wenn wir Beide da alleine reingehen. Andererseits, wenn der Deal jetzt gerade über die Bühne geht, dann kann es zu spät sein, bis die Verstärkung kommt. Sollen wir es wagen?"
Doyle nickt nur, zieht seine Waffe und checkt sie durch. Auch Bodie zieht seine Waffe aus dem Halfter, checkt sie und steckt sie zurück. Okay, lass uns fahren."
Bodie stellt den Wagen ein ganzes Stück von ihrem Ziel entfernt ab. Vorsichtig nähern sie sich der angegebenen Lagerhalle, vor der zwei Kleintransporter parken. Durch ein zerbrochenes Fenster wirft Doyle einen Blick in das Gebäude.
Was siehst Du?" flüstert Bodie.
Drei Typen, die vor mehreren Kisten stehen. Ich kenne die Kerle nicht. - Wie wollen wir vorgehen?"
Ich gehe rein und Du sicherst mich nach hinten ab, okay? - Ray, okay?"
Ja, ja."
Bodie prescht durch die Türe und ruft Hände hoch, Ihr seit umstellt." Doyle ist dicht hinter ihm. Die drei Typen wurden vollkommen überrascht und heben gehorsam die Hände. Weg von den Kisten!" befiehlt Bodie.
Bodie entgeht nicht das teuflische Grinsen in dem Gesicht des älteren der drei Männer. Doch bevor er sich einen Reim darauf machen kann, fallen zwei Schüsse. Bodie verspürt einen brennenden Schmerz an seinem linken Oberarm, als er sich hinter einer Säule in Deckung bringt.
Die drei Kerle nützen die Gelegenheit und machen sich durch die Hintertüre aus dem Staub. Bodie beobachtet dies aus dem Augenwinkel heraus, kann es nicht verhindern, denn der Schütze, der offensichtlich auf der Galerie oben ist, hält Bodie weiterhin unter Beschuss. Verdammt, Doyle, warum tust Du nichts? Du müsstest ihn doch von Deiner Position aus im Schussfeld haben.' wundert sich Bodie.
Es kommt Bodie wie eine Ewigkeit vor, bevor er Doyles Walther P38 bellen hört. Dann vernimmt er einen dumpfen Aufschlag und sieht, dass der Schütze auf dem Boden liegt.
Vorsichtig verlässt Bodie seine Deckung und nähert sich zusammen mit Doyle dem Schützen. Doch für ihn kommt jede Hilfe zu spät. Selbst wenn die Kugeln von Doyle nicht tödlich gewesen wären, den Sturz hätte er wohl nicht überlebt.
Bodie gibt einen kurzen Lagebericht an das HQ durch und meint sarkastisch, dass sie sich jetzt mit der Verstärkung Zeit lassen können. Im Nachhinein tut es ihm Leid, dass er so harsch zu Maggy war, denn sie tut nur ihren Dienst in der Funkzentrale und sie kann schließlich nichts dafür, wenn keine Verstärkung abkömmlich ist.
Schließlich wendet sich Bodie Doyle zu. Ärger glimmt in seinen Augen. Verdammt, Doyle, was sollte das? Du solltest mir Rückendeckung geben!"
Doyle steht da wie ein begossener Pudel. Bodie, Dein Arm. Du blutest ja."
Das ist jetzt nicht wichtig. Verdammt, Doyle, ich will eine Antwort!"
Es tut mir Leid, Bodie, ich ..."
Bodie kann sich vor Wut kaum mehr halten. Er brüllt Doyle an. Was soll das heißen, es tut Dir Leid. Verdammt, dafür kann ich mir nichts kaufen. Was zum Teufel hast Du Dir dabei gedacht?"
Doyle blickt Bodie mit großen Augen an. Fast ist es Bodie so, als ob er Tränen in Doyles Augen glitzern sehen würde. Da dreht sich Doyle wortlos um und läuft aus der Lagerhalle. Kurz danach hört er Geräusche, so als ob sich Doyle draußen übergeben würde. Doch Bodie hat jetzt andere Sorgen, als sich um Doyle Gedanken zu machen. Sein Arm brennt wie die Hölle und vorsichtig zieht er die Jacke aus. Erleichtert stellt er fest, dass es sich nur um einen Streifschuss handelt, allerdings blutet die Wunde stark. Mit einem Taschentuch bedeckt er die Wunde. Er verflucht Doyle, wäre jetzt aber für seine Hilfe doch dankbar gewesen. Mit einem Seufzer lässt er sich auf einer der Kisten nieder und wartet geduldig, bis sein Partner zurückkommt bzw. die Verstärkung eintrifft.
Bodie ist sich nicht sicher, was ihm lieber gewesen wäre: Doyle oder die Verstärkung. Aber als plötzlich Cowley vor ihm steht und mit scharfem Ton einen Bericht von ihm fordert, ist sich Bodie doch sicher, dass ihn sein Partner lieber gewesen wäre. Mit monotoner Stimme gibt Bodie seinen Bericht ab, verschweigt jedoch die Tatsache, dass Doyle beinahe die Sache ganz vermasselt hätte.
Cowley blickt Bodie grimmig an und will wissen, wo Doyle steckt. Draußen, Sir." erwidert Bodie knapp.
Murphy wirft Bodie einen besorgten Blick zu, als Cowley Richtung Ausgang geht, offensichtlich um Doyle zu suchen. Bodie ist ziemlich blass. Murphy hilft ihm in die Höhe und begleitet ihn zum Ausgang, während McCabe und Lucas zusammen die Halle betreten, um mit zu teilen, dass niemand mehr zu finden ist.
Doyle steht draußen mit hängendem Kopf und lässt den Wortschwall von Cowley über sich ergehen. Bodie ist mit sich selbst zu sehr beschäftigt, um zu registrieren, was Cowley zu ihm sagt. Er bekommt nur mehr mit, dass Cowley Doyle auffordert, ihn, Bodie, sofort zum Arzt zu bringen.
Bodie will zu einer Erwiderung ansetzen, dass dies doch auch Murphy tun kann, aber Cowley kommt ihm zuvor, in dem er Murphy befiehlt, die Kisten zu inspizieren.
Wir sprechen uns noch, meine Herren!" Wie eine Drohung steht dieser Satz über Bodie und Doyle.
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Bodie fühlt sich ausgelaugt; er ignoriert seinen Partner und wehrt seine Hilfe ab, als er ihn zu Dr. Baker im HQ begleiten will.
Dr. Baker versorgt Bodies Wunde sehr sorgfältig und gibt ihm einige Schmerztabletten mit, sicher, dass Bodie diese jedoch nicht nehmen wird. Er gibt Bodie einige Ratschläge, wie, dass er sich die nächsten paar Tage schonen, den Arm ruhig halten und regelmäßig den Verband wechseln soll. Aber das wissen Sie ja alles, Bodie, das brauche ich Ihnen eigentlich alles nicht mehr zu sagen. - Morgen nachmittag sehen wir uns wieder; wenn es Probleme gibt, dann auch schon früher." mit diesen Worten verabschiedet Dr. Baker Bodie.
Bodie wäre am liebsten auf dem schnellsten Wege in seine Wohnung gefahren. Aber Cowley wollte ihn und seinen Partner noch sprechen. Ja, Doyle, mit dem habe ich auch noch ein Hühnchen zu rupfen.' Bodie ist nach wie vor wütend über Doyles Verhalten.
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Bevor Cowley ihnen eine Standpauke hält, erkundigt er sich nach Bodies Befinden. Bodie erwidert, dass es nur ein Kratzer sei, was Cowley zu der zynischen Bemerkung gut" veranlasst. Was dann folgt, haben beide noch eine ganze Weile in ihren Ohren. Cowley ist empört über das Verhalten seines, wie er bisher angenommen hatte, besten Teams. Sie haben die Sache gründlich vermasselt. Wieso waren Sie so naiv und haben gedacht, dass die drei Kerle alleine in der Lagerhalle sind? Haben Sie wirklich gedacht, dass Sie es mit blutigen Anfängern zu tun haben? Und Doyle, wieso haben Sie diesen Mann erschossen? Er wäre unser einziger Hinweis auf die Hintermänner gewesen. Na, wenigstens konnten wir die Waffen sicher stellen."
Vorsichtig erkundigt sich Bodie, ob der Mann schon identifiziert werden konnte.
Nein. Bodie. - So, und jetzt will ich Sie für heute nicht mehr sehen. Morgen Nachmittag will ich Ihre Berichte auf meinem Schreibtisch haben. Und lassen Sie sich eine gute Erklärung für Ihr Versagen einfallen."
Doyle will zu einer Erklärung ansetzen. Bodie kennt diesen Blick von Doyle. Er will die Schuld auf sich nehmen, und obwohl Bodie Doyle die Schuld für das Misslingen gibt, gibt er ihm keine Gelegenheit, dies gegenüber Cowley zuzugeben. Zuerst möchte er mit Doyle sprechen, deshalb gibt er ihm einen Stoß und drängt ihn Richtung Ausgang von Cowleys Büro.
Soll ich Dich nach Hause fahren?"
Nein, ich nehme ein Taxi, Du kannst meinen Capri haben." erwidert Bodie trocken.
Doyle setzt zu einer Erwiderung an, doch der eisige Blick von Bodie lässt ihn schweigen.
Wortlos verlassen Beide das HQ und begeben sich getrennt auf den Nachhauseweg.
**
Zu Hause angekommen, lässt sich Bodie den Nachmittag nochmals durch den Kopf gehen. Und nicht nur den Nachmittag, sondern auch die letzten Tage. Irgendwie war Doyles Verhalten in den letzten Tagen mehr als eigenartig. Zuerst seine Wutausbrüche und dann sein Schweigen. Und auch dass er sich bei ihrem letzten gemeinsamen Pubbesuch sinnlos betrunken hat, gibt Bodie zu denken. Ach, jetzt bekomme ich schon dieselben Schuldgefühle wie Doyle immer' geht es Bodie durch den Kopf. Er legt sich auf das Sofa, versucht, den tobenden Schmerz in seinem Arm zu ignorieren und an etwas anderes zu denken. Doch der Blick von Doyle, als er ihn in der Lagerhalle angeschrien hat, geht Bodie nicht aus dem Kopf.
Schließlich greift Bodie zum Telefonhörer und wählt Doyles Nummer. Erst nach dem 7. Klingeln hebt Doyle den Hörer ab. Plötzlich ist sich Bodie nicht mehr sicher, warum er Doyle überhaupt angerufen hat. Was soll er sagen? Also erwidert er nur knapp seinen Namen, nachdem sich Doyle mit Hallo gemeldet hatte und wartet eine Reaktion von Doyle ab.
Bodie, ich ...!" Bodie glaubt ein Schluchzen zu hören, doch bevor er etwas sagen kann, hat Doyle bereits den Hörer aufgelegt.
Verdammt, dieser Idiot" murmelt Bodie vor sich hin. Was nun?' fragt er sich.
Mühsam erhebt er von Sofa, bestellt sich ein Taxi und lässt sich zu Doyles Wohnung fahren. Die ganze Fahrt über verflucht Bodie sich selbst, aber irgendwie treibt ihn die Sorge um Doyle voran. Dieser Blick von Doyle im Lagerhaus lässt ihn nicht los.
**
Er klingelt Sturm und es dauert eine ganze Weile, bis Doyle sich endlich über die Gegensprechanlage meldet. Ich bin's, mach auf:" und da vernimmt Bodie auch schon den Türsummer.
Die Tür zu Doyles Wohnung steht offen und Bodie betritt sie ohne zu zögern. Doyle?" Langsam geht er ins Wohnzimmer und sieht Doyle auf der Couch liegen, sein Gesicht in ein Kissen vergraben.
Bodie nimmt auf dem Sessel gegenüber der Couch Platz. Er hört Doyle schluchzen. Die Wut von Bodie ist verflogen und ist nun endgültig der Sorge um Doyle gewichen.
Sanft spricht Bodie Doyle an. Doyle, Ray, was ist los?" Zweimal muss Bodie diese Frage wiederholen, bevor ihn Doyle mit tränenüberströmtem Gesicht anschaut, und nur den Kopf schüttelt, da er offensichtlich zu keiner Antwort fähig ist.
Bodie steht auf und schenkt für Doyle und sich einen Whiskey ein. Wortlos reicht er seinem Partner das Glas. Doyle leert das Glas mit einem Schluck.
Langsam, Junge, ich trinke Dir nichts weg." versucht Bodie Doyle aufzumuntern.
Nur allmählich scheint sich Doyle zu beruhigen. Bodie, es tut mir so Leid. Ich ... , das hätte heute ... und das alles wäre meine Schuld gewesen. Ich ..."
Ist ja schon gut, Ray, beruhige Dich. Es ist auch meine Schuld, ich hätte sehen müssen, dass es Dir nicht gut geht."
Bodie, ich weiß nicht, was mit mir los ist, ich ..., ich kann nicht mehr. Ich ..."
Komm, wir reden Morgen weiter. Hier, trink noch einen Schluck und dann ab ins Bett mit Dir. Ich schlafe hier auf der Couch, wenn Du was brauchst, dann ..."
Nein, Bodie, Dein Arm. Ich schlafe auf der Couch!"
Bodie versucht zu Lachen. Aber es ist doch nur ein Kratzer, Doyle. Gib mir noch eine Decke, Du weißt ja, ich kann überall gut schlafen, also warum nicht auch auf Deiner alten Couch." Offensichtlich war es Bodie gelungen, Doyle davon zu überzeugen, dass die Couch für ihn okay ist. Wortlos geht Doyle ins Schlafzimmer, holt eine Decke für Bodie und flüstert: Bodie, es tut mir so verdammt Leid!"
Bodie nickt nur und meint schon jetzt zu wissen, dass er kein Auge auf dieser unbequemen Couch zumachen wird. Doch Bodie hat sich getäuscht. Der Tag forderte seinen Tribut und Bodie fällt nach einer Weile in einen unruhigen Schlaf. Zwischendurch meint er, Geräusche aus dem Schlafzimmer zu hören, doch er ist zu erledigt, um der Sache auf den Grund zu gehen.
Als er am Morgen aufwacht, fühlt er sich wie gerädert. Die Wunde an seinem Oberarm schmerzt. Leise schleicht er ins Badezimmer und nach einer kalten Dusche, bei der er tunlichst vermeidet, den Verband an seinem Oberarm zu durchnässen, fühlt er sich wieder besser. Anschließend geht er in die Küche und kocht Kaffee. Automatisch öffnet er Doyles Schrank, doch auch der Anblick einer Swiss Roll lässt bei Bodie keinen Appetit aufkommen. Mehr aus Gewohnheit als aus Hunger macht er sich ein Käsesandwich und kaut lustlos darauf herum.
Schließlich kommt Doyle in die Küche. Er ist sehr blass, seine Augen sind rot und dunkle Augenringe zeichnen sich auf seinem Gesicht ab.
Bodie schenkt Doyle eine Tasse Kaffee ein und reicht sie ihm. Mit einem dankbaren Nicken nimmt Doyle sie entgegen und fast erscheint es Bodie, als ob er sich an der Tasse wie an einem Rettungsanker fest halten würde.
Bodie", beginnt er zögernd. Bodie versucht, ihm einen aufmunternden Blick zuzuwerfen. Ich, also ich habe keine Erklärung für das Ganze gestern. Aber danke, dass Du mich nicht bei Cowley hast auffliegen lassen."
Wozu sind Partner da?"
Ja, Partner sind vor allem dazu da, sich den Rücken zu decken. Ich habe gestern darin total versagt. Wenn ..."
Bodie bemerkt, dass Doyle zu zittern beginnt. Ruhig, Doyle, es ist ja nichts weiter passiert. Und wenn gibt es nicht, okay? - Okay?"
Okay, aber ..."
Nichts aber, Ray. Jeder hat einmal einen schlechten Tag." Bodie ist sich der Bedeutungslosigkeit seiner Worte bewusst und ihm ist auch klar, dass Doyle genau weiß, dass es nicht damit getan ist und sein Versagen nicht rechtfertigt. Wenn Du reden willst, Ray, Du weißt, ich bin ein guter Zuhörer."
Danke, Bodie, aber ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll. Irgendwie hängt mir die Erkältung nach meinem unfreiwilligen Bad in der Themse immer noch nach. Ich fühle mich immer noch erschöpft."
Aber Dr. Baker hat Dir doch grünes Licht gegeben."
Ja, es ist ja auch nicht so, dass ich mich körperlich erschöpft fühle, eher geistig. Ich komme morgens nicht aus dem Bett. Wenn ich aus dem Fenster blickt und sehe, dass es draußen noch dunkel ist, und tagsüber diese tief hängenden Wolken und alles grau in grau, dann würde ich mich am liebsten in eine Ecke verziehen und losheulen."
Hey, Du solltest mal Dr. Ross aufsuchen, die würde sich freuen." versucht Bodie Doyle aufzuheitern.
Ja, sie sich vielleicht, aber ich nicht. Nein, ich komme schon selbst damit klar. Gib' mir nur ein paar Tage Zeit."
Fein, Ray, aber nur ein paar Tage. Und falls Du Dich dann nicht besser fühlst, konsultierst Du Dr. Ross, abgemacht?!?"
Ja, abgemacht."
Können wir auf dem Weg ins HQ bei mir zu Hause vorbeifahren, ich würde gerne meine Sachen wechseln."
Natürlich, Bodie. - Wie soll ich Cowley mein Verhalten von gestern erklären?"
Gar nicht. Das geht den Alten nichts an. Es ist eine Sache zwischen Dir und mir, okay?"
Okay. Erinnere mich daran, ich schulde Dir einen Gefallen." Doyle scheint erleichtert zu sein.
Ja, einen Gefallen und eine neue Lederjacke."
Oh, ja klar."
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Als sie am Nachtmittag Cowleys Büro betreten, studiert dieser gerade ihre Berichte. Es kommt Bodie und Doyle wie eine Ewigkeit vor, bis sich ihr Chef schließlich direkt an sie wendet.
Also, jetzt berichten Sie mir genau, was gestern vorgefallen ist!" fordernd blickt er Bodie und Doyle an.
Steht alles in unseren Berichten, Sir!"
Ich kann lesen, Bodie, aber ich will wissen, was wirklich passiert ist! - Sie verschweigen mir etwas, meine Herren, und ich will wissen, was es ist. Ihre Berichte erklären nicht, wieso sie von dem vierten Mann überrascht worden sind."
Das hat es so mit Überraschungen an sich, Sir, dass man sie vorher nicht kennt!" erwidert Bodie schnippisch.
Werden Sie nicht unverschämt, Bodie." Cowley entgeht nicht die Nervosität von Doyle, bemerkt aber auch, dass ihn Bodie in Schutz nimmt. Er weiß genau, dass die Beiden wie Pech und Schwefel zusammen halten und er wohl nie genau erfahren wird, was in der Lagerhalle geschehen ist. Schließlich resigniert er.
Na gut, belassen wir es im Moment dabei. - Der Tote konnte identifiziert werden und der Yard hat bereits eine heiße Spur. Es sieht wirklich so aus, als ob eine Bande Halbstarker hinter der ganze Sache steckt. Die Waffen konnten jedenfalls komplett sichergestellt werden. Der Minister ist sehr zufrieden mit Ihrer Arbeit. Dass ich es nicht bin, brauche ich Ihnen ja nicht noch einmal extra zu sagen."
Bodie hält den strengen Blick von Cowley stand, während Doyle verlegen zu Boden blickt.
Doyle, haben Sie mir noch irgendetwas zu sagen?" Doyle schüttelt den Kopf. Und Sie, Bodie?" Auch Bodie schüttelt den Kopf. Gut, dann sehe ich sie übermorgen wieder. Für heute sind sie entlassen. Und Bodie, vergessen Sie Ihren Termin bei Dr. Baker nicht."
Nein, Sir."
Erleichtert verlassen Beide das Büro.
Ich fahre gleich nach Hause. Kommst Du alleine zurecht, Bodie?"
Klar, und Du? - Gut, dann sehen wir uns übermorgen früh."
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Draußen dämmert es bereits. Dicke Regenwolken hängen am Himmel und verstärken den Eindruck alles grau in grau". Mit Schaudern denkt Doyle daran, dass es, bis er zu Hause ist, stockdunkel ist. Auf der Heimfahrt hört Doyle den Wetterbericht im Radio. Dieser trägt nichts dazu bei, seine Stimmung aufzuheitern, die Vorhersage lautet: Nebel, Regen und keine Aussicht auf einen heiteren Herbsttag mit etwas Sonnenschein. Doyle versucht sich ganz auf den Verkehr zu konzentrieren, um sich abzulenken.
Zu Hause angekommen, ist es, wie er bereits befürchtet hatte, dunkel. Als er seine Wohnung betritt, schaltet er zuerst in allen Zimmer die Lampen ein, so als wolle er damit den Sonnenschein imitieren. Seufzend lässt er sich auf seine Couch fallen, schlägt die Hände vor das Gesicht und seine Gedanken kehren zurück zu den langen, dunklen Nächten, den trüben und tristen Tagen und mit Horror denkt er daran, dass es noch bis zum 21. Dezember dauern wird, bis die Tage wieder länger werden. Er kann sich selbst nicht erklären, warum er plötzlich in so einem tiefen Loch steckt; bisher hatten ihm Herbst und Winter nichts ausgemacht. Und jetzt auf einmal?
Um zur Ruhe zu kommen, genehmigt er sich zunächst einige Dosen Bier und geht dann auf Whiskey über. Durch den Alkohol benebelt, schläft er schließlich auf der Couch ein. Als er am nächsten Morgen aufwacht, ist es hell in seiner Wohnung. Irritiert blickt Doyle auf die Uhr. 7.00 Uhr morgens, es müsste doch eigentlich dunkel sein, geht es im durch den Kopf. Erst langsam registriert er, dass die Lichtquelle die Lampen sind, die er am Abend zuvor alle eingeschaltet hat.
Was ist los mit Dir, Ray, alter Junge? Du hast Bodie versprochen, Dich zusammen zu reißen und jetzt liegst Du hier und fühlst Dich, als ob Du lebendig begraben wärst!' schilt er sich selbst. Mit aller Macht versucht er, sich abzulenken; irgendwie schafft er es durch den Tag und entschließt sich schließlich am Abend in sein Lieblingspub zu gehen. Er überlegt, ob er Bodie anrufen und ihn fragen soll, ob er mitkommen will. Aber er ist sich nicht sicher, ob er für Bodie eine angenehme Gesellschaft in seinem momentanen Stimmungstief ist. Insgeheim hofft er, dass Bodie vielleicht auch im Pub ist.
Seine Hoffnung erfüllt sich nicht. Das Pub ist für einen Werktag relativ voll, aber Bodie ist leider nicht da. Dafür aber Denise, die schon seit längerem ein Auge auf Doyle geworfen hat, sich aber offensichtlich nie getraut hatte, Doyle offen anzumachen, da Bodie immer dabei war. Nun nützt sie die Gunst der Stunde und gesellt sich zu Doyle an die Bar.
Hallo Ray, heute ganz alleine?" haucht sie ihm ins Ohr.
Ja."
Wo ist denn Dein Freund?"
Doyle zuckt nur mit der Schulter. Darf ich Dich auf einen Drink einladen?"
Ja, gerne. Ein Cuba Libre wäre fein."
Doyle bestellt und bezahlt die Drinks - er hatte sich einen doppelten Whiskey bestellt - und zusammen gehen sie zu einem freien Tisch in der Ecke. Denise beginnt heftig mit Doyle zu flirten und Doyle scheint nicht abgeneigt zu sein. Als ihn Denise jedoch ganz offen auffordert, mit ihr nach Hause zu kommen, macht Doyle einen Rückzieher, entschuldigt sich und verlässt fluchtartig das Pub. Denise blickt ihm enttäuscht nach.
Ohne ein Ziel vor Augen läuft Doyle durch die regnerische Nacht. Schließlich winkt er ein Taxi heran und lässt sich nach Hause fahren. Immer wieder geht ihm Denise durch den Kopf und er kann seine panikartige Reaktion auf ihr Angebot selbst nicht verstehen. Sie wäre eigentlich sein Typ und sie war ihm schon bei früheren Pubbesuchen aufgefallen. Doyle verflucht sich und die ganze Welt und hofft, dass diese Nacht schnell vorbei geht.
**
Auch am nächsten Morgen fühlt er sich keineswegs besser. Doch er schiebt dies auf die Folgen seines gestrigen Alkoholgenusses. Schließlich erinnert er sich daran, dass er sein Auto in der Nähe des Pubs stehen gelassen hat und beeilt sich nun, fertig zu werden, ruft sich ein Taxi, um sich zu seinem abgestellten Wagen bringen zu lassen. Gerade noch rechtzeitig schafft er es, ins HQ zu kommen.
Bodie sitzt bereits hinter seinem Schreibtisch. Doyle zwingt sich ein Lächeln auf, als er das Büro betritt.
Guten Morgen, Bodie, was macht Dein Arm?"
Der ist schon fast wieder okay. - Na, Du siehst aber erledigt aus. Wohl eine lange Nacht gehabt, was!?"
Ja, ich war gestern noch in unserem Pub und da, naja, da, ach Du weißt schon." Doyle läuft leicht rot an.
Bodie lächelt nur wissend. Du, in einer halben Stunde ist ein Briefing angesetzt. Es scheint um etwas Ernstes zu gehen. Ich habe keine Ahnung, worum."
Auch Doyle zuckt nur mit den Schultern. Willst Du auch noch Kaffee?"
Gerne, danke." Doyle verlässt mit zwei Tassen bewaffnet das Büro, um Kaffee zu holen.
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Fast alle Agenten des CI5, außer denen, die im Außendienst oder krankgeschrieben sind, haben sich im Besprechungsraum eingefunden. Kurz darauf betritt Cowley zusammen mit einem elegant gekleideten Herren den Raum.
Meine Damen und Herren, guten Morgen. Falls Sie den Herrn an meiner Seite nicht kennen sollten, es ist Mister Weber, der stellvertretende Direktor des Scotland Yard." Cowley blickt in die Runde und fährt fort: Sie haben sicher schon alle vom so genannten Weihnachtsmörder gehört. Seit nunmehr 9 Jahren begeht er jedes Jahr zwischen dem 06. und 24. Dezember einen Mord. Zuerst sah es so aus, als ob es bei den Fällen keinen Zusammenhang gibt, aber dann stellte sich heraus, dass die Morde von ein und dem selben Täter begangen wurden. Wie Sie vielleicht wissen, war das erste Opfer ein Obdachloser, dann folgte eine Hausfrau und sein letztes Opfer war ein angesehener Manager. Es ist zu befürchten, dass er dieses Jahr einen noch, na sagen wir, höheren Anspruch an sein Opfer stellt. Ich möchte, dass Sie sich umhören und Ihre Kontakte befragen. Der kleinste Hinweis auf den möglichen Täter und vor allem auf das mögliche Opfer kann von Bedeutung sein. Also informieren Sie mich über alles, was Sie in Erfahrung bringen, auch wenn Sie meinen, dass es noch so unbedeutend ist. - Das ist alles, gehen Sie jetzt wieder an die Arbeit." Auch Bodie und Doyle wollen zusammen mit ihren Kollegen und Kolleginnen den Raum verlassen, doch Cowley fordert sie auf, zu bleiben.
Ich habe eben nicht alles gesagt, was wir wissen. Mister Weber hat um unsere Unterstützung gebeten, weil er befürchtet, dass das mögliche Opfer der Direktor des Yards sein könnte. Bitte, Mister Weber." Aha, hier bevorzugt" der Alte unsere Jungs aber ganz offensichtlich, was?
Mister Bodie, Mister Doyle, es freut mich Sie kennen zu lernen." Weber schiebt Ihnen eine Zeitung zu. Hier, diese Anzeige war gestern in der Times."
Alle Jahre wieder, ...
Heuer ist ein ganz besonderes Jahr,
denn ich feiere mein 10-jähries Jubiläum!
Ich habe mir dieses Jahr etwas ganz besonderes ausgedacht
für jemanden, der schon lange nach mir sucht.
Ho, ho, ho!
Frohe Weihnachten,
Krampus
Bodie, der diese Zeilen laut vorgelesen hatte, sieht Cowley und Weber fragend an. Wer ist Krampus?"
So viel ich weiß ..." fängt Doyle an und Cowley ermutigt ihn, weiter zureden ... ist Krampus eine andere Bezeichnung für Knecht Ruprecht, der zusammen mit dem Weihnachtsmann, dem Nikolaus, zusammen am 06. Dezember durch die Häuser zieht. Es ist ein altes deutsches Brauchtum, vor allem im süddeutschen Raum. Der Krampus steckt die bösen Jungen und Mädchen in seinen Sack, während der Nikolaus die Braven mit Süßigkeiten belohnt."
Genau, Doyle." stimmt ihm Cowley zu.
Und diese Anzeige war gestern in der Times, also am 06. Dezember?"
Ja," bestätigt Weber. Und wie ich bereits gesagt habe, befürchten wir, das der Direktor, Mister Parker, sein nächstes Opfer sein wird. Auch Parker hat dieses Jahr sein 10-jähriges Jubiläum als Chef des Yards gefeiert und war seit dem ersten Mord, den dieser Irre begangen hat, damit befasst."
Und bevor Parker für den Yard gearbeitet hat, wo war er da?" fragt Bodie.
Er war bereits in einer leitenden Funktion bei der MET, bevor er für diese Aufgabe ausgewählt wurde."
Könnte es sein, dass ein möglicher Mitkonkurrent um diesen Posten auf diese Art und Weise Rache nehmen will?"
Das ist, was Sie herausfinden sollen. Hier haben Sie alle Akten zu den vorausgegangenen Morden und auch die Personalakte von Mister Parker. Ich möchte Sie bitten, diese streng vertraulich zu behandeln und auch Ihren Kollegen und Kolleginnen keinen Einblick zu gewähren. Ich zähle auf Sie. - Viel Erfolg!" mit diesen Worten verabschiedet sich Weber und verlässt mit Cowley zusammen den Besprechungsraum.
Hey, woher weißt Du so viel von diesem Krampus?"
Ich hatte mal eine Freundin, die kam aus Bayern, und da wir damals gerade zu der Weihnachtszeit zusammen waren, haben wir uns gegenseitig über die heimischen Bräuche aufgeklärt."
Nur darüber?" feixt Bodie.
Bodie!" Doyles Augen funkeln, während Bodie ihm einen ganz unschuldigen Blick zuwirft.
**
Doyle fällt es schwer, sich auf die Arbeit zu konzentrieren. Bei dem Studium der Akten und auch der Personalakte von Mister Parker muss er alles mehrmals lesen, um das Wesentlichste heraus zuarbeiten. Die den Akten beiliegenden Fotos der Opfer tragen keineswegs dazu bei, ihn aufzuheitern. Der Weihnachtsmörder, wie er nach seinem dritten Mord von der Presse tituliert wurde, ging sehr grausam vor und es gefiel ihm offensichtlich, mit seinen Opfern zu spielen", bevor er ihnen die Kehle durchschnitt. Die Gesichter der Opfer spiegeln das Grauen wieder, das sie vor ihrem Tod erlebt haben müssen.
Auch Bodie, der sonst nicht empfindlich ist, gehen die Fotos sehr nahe. Wut steigt in ihm auf. Dieses Schwein, aber wir kriegen ihn, Doyle."
Du bist Dir da aber mächtig sicher."
Ja, aber dieser Typ fühlt sich offensichtlich unschlagbar, der macht bestimmt einen Fehler und dann schnappen wir ihn." Doyle zweifelt daran, dass Bodie sich so sicher ist, wie seine eben gesagten Worte es vermuten lassen.
Eigentlich ist Doyle ganz froh darüber, dass sie viel Zeit außerhalb ihres Büros verbringen, obwohl es ihm jedes Mal davor graut, einen Fuß vor die Türe zu setzen und in das triste Grau hinauszutreten. Sie verbringen viel Zeit damit, die Tatorte zu besichtigen, mit Nachbarn und Polizisten, die am Einsatzort waren, zu sprechen. Freunde und Verwandte der Opfer sparen sie aus; so kurz vor Weihnachten wollen sie nicht unnötig alte Wunden aufreißen und Leid bringen. Aber ihre Befragungen ergeben nichts Neues.
Auch aus der Personalakte und aus den vertraulichen Unterlagen zu dem Auswahlverfahren, das der Ernennung zum leitenden Direktor des Yards vorausging, ergibt sich kein Hinweis auf ein Motiv oder einen möglichen Täter. Die Theorie, dass womöglich ein Mitkonkurrent um diesen Posten dahinter stecken können, verwerfen sie schnell.
Nun beginnt für die Beiden der schwierige Teil der Arbeit. Dass jemand, den Parker einmal festgenommen hat, dahinter steckt, erscheint relativ unwahrscheinlich, da Parker zunächst bei der Verkehrspolizei war und dann im administrativen Bereich seinen Aufstieg eingeleitet hat. Nachdem auch ausgeschlossen werden konnte, dass der Täter im persönlichen Umfeld von Parker zu finden ist, kämen also nur seine früheren Kollegen und jetzigen Mitarbeiter in Betracht. Vorausgesetzt, die These ist richtig, dass Parker wirklich das nächste Opfer sein soll und die bisherigen Morde irgend wie damit in Zusammenhang zu sehen sind. Ja, wenn ...
Weber ermöglicht ihnen den Zugang zu den Personalakten, doch es scheint eine Suche nach der berühmten Stecknadel im Heuhaufen zu sein.
Die Zeit wird uns schön langsam knapp, Bodie."
**
Am Nachmittag haben sie einen Termin bei Dr. Ross, dieses mal nicht als Patient", sondern weil sie sich von Dr. Ross Hinweise zu dem Täterprofil erhoffen.
Der Täter, egal ob Mann oder Frau, scheint Gefallen am Töten gefunden zu haben. Mir erscheint es so, als ob er darin ein Ventil sieht, um seinen Alltagsfrust loszuwerden: die Gewalt, die hinter seinen Taten steckt, dieses Spiel, dass er mit seinen Opfern treibt, bevor er sie mit einem glatten Schnitt durch die Kehle erlöst. Mir erscheint es fast so, als ob er, bedingt durch die dunkle Jahreszeit" in tiefe Depressionen verfällt und kurz nach dem kürzesten Tag des Jahres seine Tat begeht und daraus Kraft bis zum kommenden Frühling schöpft."
Bodie sieht Dr. Ross nur ungläubig an und kann ein Schmunzeln nicht verkneifen. Das meinen Sie doch nicht im Ernst. - Sie haben wohl gerade so einen Artikel über die These, dass das Glücksgefühl vom Tageslicht abhängig ist in irgendeiner Ihrer Frauenzeitungen gelesen. - Komm, Doyle, wir verschwenden hier nur unsere Zeit."
Lange klingen die Worte von Dr. Ross in Doyles Gedanken nach. Dunkle Jahreszeit und Depressionen' - ist es das, was ihm zusetzt?
Bodies Worte Ich hole Dich heute Abend ab und bringe Angie und Shirley mit!" reißen ihn aus seinen Gedanken. Oh, verdammt, beinahe hätte er das Doppeldate, das Bodie für heute Abend arrangiert hat, vergessen. Eigentlich verspürt er zu diesem Treffen keine große Lust, aber er will Bodie keinen Hinweis darauf geben, dass er über sein Tief immer noch nicht hinweg ist. Und nach der Besprechung mit Dr. Ross heute Nachmittag verspürt er keine große Lust, auf ihrer Couch zu landen.
**
Nach einem gemütlichen Essen in einer Pizzeria fahren alle Vier gemeinsam zu ihrem Pub. Doyle ist froh, dass Denise nicht da ist. Sie hätte ihm bestimmt eine Szene gemacht, und das war das Letzte, was er jetzt gebrauchen konnte. Sie machen es sich an einem Tisch gemütlich und abwechselnd zahlen sie die Runden. Shirley beginnt heftig mit Bodie zu flirten, während Angie immer näher zu Doyle rückt und eindeutige Signale gibt. Doyle kommt schlagartig Denise in den Sinn und er hat das Gefühl, dass er keine Luft mehr bekommt. Ohne ein Wort zu sagen, steht er auf und verlässt das Pub. Angie blickt ihm ungläubig nach und Bodie wird erst durch den verwunderten Ruf von Angie darauf aufmerksam.
Ich bin gleich zurück." Bodie schnappt sich seine Jacke und eilt Doyle hinterher. Shirley und Angie sehen sich nur verwundert an.
Doyle, so bleib doch stehen!" ruft Bodie Doyle hinterher. Verdammt, Ray, was ist in Dich gefahren?"
Lass mich in Ruhe, Bodie!" zischt Doyle und Bodie macht unwillkürlich einen Schritt zurück. Abwehrend hebt er die Arme, so als ob er jeden Augenblick einen Schlag von Doyle erwarten würde. Doch Doyle dreht sich einfach nur um und läuft davon. Verdutzt blickt Bodie Doyle nach und kehrt fluchend ins Pub zurück.
Fragend blickt ihn Angie an. Es tut mir Leid, Angie, aber Doyle fühlt sich nicht gut. Er brauchte frische Luft."
Kommt er zurück?"
Nein, das glaube ich nicht." - Verdammt, Ray, Du hast mir meinen Abend total versaut.' - Entschuldigt bitte, ich bringe Euch nach Hause."
Die Mädchen sind damit einverstanden, das plötzliche Verschwinden von Doyle hat auch ihnen die Stimmung verdorben. Habe ich etwas falsch gemacht, Bodie?" fragt Angie unsicher.
Nein ich habe etwas falsch gemacht." erwidert Bodie ruhig, doch innerlich kocht er. Das wird ihm Doyle büßen, so einfach kommt er ihm dieses Mal nicht davon.
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Am nächsten Morgen fängt Bodie seinen Partner noch auf dem Parkplatz vor dem HQ ab. Verärgert fährt er Doyle an: Was sollte das Theater gestern? Hast Du keine Lust mehr auf Frauen? Du hast mich in eine unmögliche Situation gebracht." Doyle zeigt keine Reaktion. Hart fasst ihn Bodie an der Schulter und schüttelt ihn. Verdammt Ray, jetzt reicht es mir endgültig mit Deinen Allüren."
Doyle reißt sich los und eilt ins HQ. Keiner der Beiden hatte bemerkt, dass Cowley oben am Fenster stand und die Szene beobachtet hatte.
Cowley passt Bodie bereits im Treppenhaus ab und befiehlt ihn in sein Büro. Bodie sieht, dass Doyle bereits dort ist. Also jetzt reicht es mir mit Ihnen. Ich will jetzt endlich wissen, was los ist. Sie Beide benehmen sich seit einigen Wochen schon mehr als merkwürdig."
Wir? Sie meinen wohl eher Doyle!" spontan kommen diese Worte über Bodies Lippen.
Was haben Sie dazu zu sagen, Doyle?"
Nichts, Sir." Doyle scheint den Tränen nahe zu sein.
Also gut, in einer Stunde melden Sie sich Beide bei Dr. Ross."
Aber ..." entfährt es Bodie.
Nichts, aber, Bodie, das ist ein Befehl. Und anschließend will ich einen Zwischenbericht haben, wie weit Sie mit dem Fall des Weihnachtsmörders" sind."
Wortlos verlassen sie Cowleys Büro. Unbändige Wut funkelt in Bodies Augen, Wut über Doyle, Wut darüber, dass er sich hat gehen lassen, Wut darüber, dass er bei Cowley nicht den Mund gehalten hat und vor allem Wut darüber, dass auch er verdonnert wurde, einen Termin bei Dr. Ross wahrzunehmen. Anstatt in ihr gemeinsames Büro zurückzukehren, geht Bodie in den Fitnessraum und versucht, einen Teil seiner Wut an dem Sandsack abzulassen. Er ist sich nicht sicher, wie er nach dem Gespräch bei Cowley auf Doyle reagiert hätte und darum vermeidet er nun den Kontakt mit ihm.
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Also Bodie mit Verspätung zu dem Termin bei Dr. Ross erscheint, teilt ihm ihre Sekretärin mit, dass er sich gedulden müsse, da Doyle zurzeit bei Dr. Ross ist. Rufen Sie mich an, sobald sie frei ist." Ohne eine Antwort abzuwarten, verlässt er das Vorzimmer und kehrt in sein Büro zurück. Er versucht sich innerlich zu beruhigen, denn ein emotionaler Ausbruch würde sich nicht sehr gut bei Dr. Ross machen.
Bodies Gesicht ist ausdruckslos, als er schließlich das Büro betritt. Ihm gelingt es, seine Gefühle unter Kontrolle zu bringen und nun will er sich keine Blöße bei Dr. Ross geben. Er hat keine Ahnung, was Doyle so lange bei Dr. Ross gemacht hat und was er ihr alles erzählt hat. Bodie ist sich sicher, dass er darüber auch keine Auskunft von ihr bekommen wird.
Soll ich mich auf die Couch legen, Frau Doktor?" Bodie versucht ein Grinsen.
Nein, nehmen Sie bitte auf dem Stuhl Platz, Bodie."
Dr. Ross stellt ihm mehrere Fragen, die Bodie zum Teil einsilbig, zum Teil flapsig beantwortet. Dr. Ross spürt deutlich die Ablehnung, die von Bodie ausgeht, nicht die Ablehnung ihr persönlich gegenüber, sondern die Ablehnung ihrem Beruf gegenüber. Schnell muss sie erkennen, dass sie bei Bodie auf diese Art nichts erreichen wird. Aber auch sie will sich keine Blöße geben, und zieht eisern ihr Konzept durch.
Nachdem Bodie ihr Büro verlassen hat, atmet sie tief durch und ruft Cowley an. Haben Sie einen Moment Zeit für mich, Sir? Es geht um Bodie und Doyle."
Kurz darauf steht sie bei Cowley im Büro. Cowley bittet sie, sich zu setzen und entnimmt aus ihrem Gesichtsausdruck, dass sie keine gute Nachricht für ihn hat. Was ist mit den Beiden, Dr. Ross?"
Tja, das ist nicht so einfach zu beantworten, Sir. Beide haben sich mir gegenüber ziemlich abweisend verhalten. Das hat mich vor allem bei Doyle überrascht, bei Bodie habe ich eigentlich nichts anderes erwartet. Keiner wollte über ihr Problem reden, sie haben sehr geschickt versucht, außen herum zureden."
Liegt das Problem bei Bodie?"
Wie kommen Sie darauf, Sir? - Nein, ich glaube, dass Problem liegt eher bei Doyle. Ich glaube, dass er an einer ausgeprägten Winterdepression leidet."
Was? Also das kann ich jetzt nicht glauben."
Doch, vieles weiß darauf hin. Als ich gestern den Beiden meine Theorie über den Täter dargelegt habe, und ausgeführt habe, dass dieser wohl an Depressionen aufgrund der dunklen Jahreszeit" leidet, fiel mir sofort Doyles verbissener Gesichtsausdruck auf. Doch da konnte ich mir noch keinen Reim darauf machen. Und Bodie hat versucht, diese Theorie mit einer dummen Bemerkung ins Lächerliche zu ziehen."
Typisch Bodie." schmunzelt Cowley.
Ja, das ist typisch für ihn. Doch heute sehe ich das gestrige Verhalten der Beiden aus einem anderen Blickwinkel. Es ist ganz offensichtlich, dass Bodie versucht, Doyle zu schützen. Aber irgendetwas muss danach gestern vorgefallen sein, das diesen Wutausbruch von Bodie gegenüber Doyle, den Sie heute Morgen auf dem Parkplatz beobachtet haben, ausgelöst hat."
Und was schlagen Sie vor?"
Tja, das ist schwierig. Mir fehlen noch die Hintergründe und auf die Mithilfe von Bodie und Doyle kann ich nicht zählen. Ich müsste mehr als ein Gespräch mit den Jungs führen, um Ihnen eine genaue Diagnose stellen zu können."
Die Zeit drängt, Dr. Ross, der Chef des Yard sitzt mir im Rücken. Er erwartet Ergebnisse und die Festnahme des Täters. Was schlagen Sie vor?"
In dem momentanen Zustand, in dem Bodie und Doyle sind, sind sie wohl kaum fähig, an diesem Fall weiter zu arbeiten."
Mir fehlt die Zeit, neue Leute in diesen Fall einzuarbeiten." Cowley wirkt ungeduldig.
Ich würde vorschlagen, sie schicken sie auf einen Auffrischungskurs zu Macklin. Zwei Tage, in den ihnen körperlich alles abverlangt wird, was nur möglich ist. Bodie bekommt somit Gelegenheit, seine Wut abzubauen und Doyle, ja Doyle, da ist es schon schwieriger. Aber vielleicht hilft die körperliche Erschöpfung, die emotionale Erschöpfung in den Hintergrund zu drängen. Das wäre mein Vorschlag für eine sofortige Maßnahme."
Und Sie meinen, nach zwei Tagen werden sie wieder funktionieren, als Team erfolgreich zusammenzuarbeiten?" skeptisch blickt Cowley Dr. Ross an.
Einen Versuch ist es wert."
Gut, Dr. Ross, informieren Sie Macklin, ich werde Bodie und Doyle unterrichten. - Ich hoffe nur, dass Sie richtig liegen."
**
Bodie versucht zu protestieren, als ihnen Cowley mitteilt, dass sie für einen zweitägigen Auffrischungskurs eingetragen sind. Was, jetzt so plötzlich. Aber was ist mit dem Weihnachtsmörder?"
Um den kümmere ich mich weiter, Bodie. Morgen früh um Punkt 6.00 Uhr treten Sie bei Macklin an, ist das klar, Bodie. - Doyle, ist das auch Ihnen klar?"
Ja, Sir."
**
Macklin hat sich zur Unterstützung Towser hinzugezogen. Der Bericht von Dr. Ross hatte ihn beunruhigt. Er befürchtet, dass es eventuell Probleme geben könnte. Bodie zeigt sich äußerst aggressiv und protestiert zu jeder Trainingseinheit, während Doyle leidenschaftslos Alles über sich ergehen lässt. Schließlich wagt Macklin die Probe auf das Exempel und fordert Bodie und Doyle zu einem Zweikampf auf. Er legt die Spielregeln genau fest, denn er will vermeiden, dass sich die Beiden ernsthafte Verletzungen zuziehen.
Zunächst beschränkt sich Doyle auf die Abwehr von Bodies Angriffen. Er steckt einige harte Treffer. Macklin muss Bodie immer wieder zurückhalten. Als Bodie Doyle schließlich am Kinn äußert schmerzhaft trifft, scheint er aus seiner Trance aufzuwachen und bietet Bodie Paroli. Zwischen den beiden bricht ein erbitterter Kampf aus, der nichts mehr mit einem Trainingskampf zu tun hat. Nur mühsam gelingt es Macklin zusammen mit Towser, die Beiden zu trennen.
Ausgepowert und nach Luft ringend führt Macklin Doyle in die Umkleide hinaus, während Towser versucht, Bodie zu beruhigen. Dr. Baker wird gerufen und er schüttelt nur ungläubig den Kopf, als er zunächst Doyle und dann Bodie verarztet.
Macklin, was haben Sie sich dabei gedacht?"
Fragen Sie Dr. Ross, Dr. Baker. Es war ihre Idee!"
Verwundert nimmt Dr. Baker diese Antwort zur Kenntnis und informiert Macklin über den körperlichen Gesundheitszustand von Doyle und Bodie.
Also kann ich die Beiden weiter trainieren lassen." Dies ist mehr eine Feststellung von Macklin als eine Frage.
Ja, wenn Sie sie nicht wieder aufeinander loslassen. Wenn es irgend welche Anzeichen von Problemen gibt, rufen Sie mich. Außer den geprellten Rippen und aufgeschlagenen Lippen geht es den Beiden gut, rein körperlich gesehen, natürlich. Für das andere ist Dr. Ross zuständig."
Danke, Dr. Baker."
**
Wie sie den Rest des Tages und den nächsten Tag durchgestanden haben, können sich Bodie und Doyle im Nachhinein gar nicht mehr vorstellen. Auf jeden Fall sind Beide froh, als sie sich wieder dem Weihnachtsmörder" widmen dürfen.
Doyle fühlt sich besser, während der letzten beiden Tage hatte er keine Zeit, mit seinem Schicksal zu hadern und sich seinen Depressionen hinzugeben. Bodie dagegen hat seine Wut abreagieren können und fühlt sich jetzt irgend wie schuldig, dass er Doyle in dieses Schlamassel hineingezogen hat.
Plötzlich pfeift Doyle durch seine Zähne. Bodie, ich hab's. Warum ist uns das nicht gleich aufgefallen. Bei jedem Fall war Heike Warden eine der Hauptverantwortlichen bei den Mordermittlungen. Das ist uns nur nicht gleich aufgefallen, weil sie zweimal ihren Namen gewechselt hat. Zuerst wird sie als Heike Müller geführt - ihr Vater ist Deutscher, nach ihrer ersten Eheschließung als Heike Thompson und nachdem ihr Mann gestorben war, heirate sie kurze Zeit später einen Victor Warden. - Ich kenne sie flüchtig."
Ha, daher also der, wie heißt der Typ, Krampus? Okay, dann los. Wo finden wir die Dame?"
Hier steht, sie ist auf Urlaub. Daher konnten wir sie bisher auch nicht befragen. Versuchen wir es trotzdem bei ihr zu Hause. Sie wohnt in der Nähe des Cristal Palace."
**
Auf der Fahrt quer durch die Stadt hüllen sich Beide in Schweigen. Sie hängen ihren Gedanken nach und keiner weiß offensichtlich so recht, wie er das Gespräch auf die vergangenen Tage bringen soll.
Sehr zu ihrer Überraschung scheint Heike Thompson zu Hause zu sein. Als sie an der Türe eines kleinen Reihenhauses läuten, ruft ihnen eine weibliche Stimme zu, Ich komme gleich".
Kurz danach öffnet ihnen eine sehr attraktive brünette Frau - Bodie schätzt sie auf Mitte dreißig - die Türe. Hallo Heike, kennst Du mich noch?"
Einen kurzen Augenblick zögert Heike Thompson, doch dann huscht ein Erkennung über ihr Gesicht. Ja, klar, Doyle, Ray Doyle. Schön Dich zu sehen, wie geht es Dir? Was führt Dich hierher."
Wir, das ist mein Partner Bodie, ermitteln im Fall des Weihnachtsmörders. Ich bin jetzt beim CI5."
Oh, was hat der CI5 damit zu tun? Ich dachte, das war bisher immer ein Fall von uns? - Ja, ein wirklich schrecklicher Fall. Wie viele hat er jetzt umgebracht? 8 oder 9?"
Neun," erwidert Bodie. Irgendetwas irritiert ihn an dieser Frau. Doch er kann dieses Gefühl nicht näher definieren. Verwundert nimmt er zur Kenntnis, dass sie sich über die Zahl der Opfer nicht sicher ist, obwohl sie seit dem ersten Mord als junge Inspektorin immer beteiligt war.
Kommt doch ins Wohnzimmer. Kann ich Euch etwas anbieten? Tee? Kaffee?"
Tee wäre fein." Bodie nickt zustimmend.
Ich bin gleich wieder da!"
Doyle" setzt Bodie an. Aber Doyle gibt ihm ein Zeichen, nicht weiter zu sprechen und gibt ihm zu verstehen, dass er seine Bedenken teilt.
Aus der Küche hören sie das Klappern von Geschirr. Beide blicken sich im Wohnzimmer um, das weihnachtlich geschmückt ist. Eine Figur des Weihnachtsmannes steht unter dem bereits aufgestellten Christbaum und daneben die Figur eines grimmig blickenden Mannes mit einem Sack über seinen Schultern. 'Das muss wohl Krampus sein' denkt Bodie.
Doyle beginnt ein banales Gespräch mit Bodie über Fußball. Irgend wie wollte er nicht still dasitzen, vielleicht auch, um Heike keinen Hinweis darauf zu geben, dass sie sie verdächtigen.
Schließlich kommt Heike mit einem Tablett zurück und schenkt ihnen Tee ein.
Nach einem kurzen Small-talk über das bevorstehende Weihnachtsfest kommt Doyle wieder auf den Fall zurück. Kannst Du uns irgend einen Hinweis geben, Heike? Hast Du eine Idee, warum er diese Morde begeht? Und wer sein nächstes Opfer sein könnte."
Nein, Ray, da kann ich Dir leider nicht weiterhelfen. Ich habe absolut keine Ahnung darüber."
Aber Sie müssen sich doch Gedanken darüber gemacht haben und sich eine persönliche Meinung gebildet haben, wer als Täter in Betracht kommt. Und wie er seine Opfer ausgesucht hat und warum er sich von einem Penner bis zu einem erfolgreichen Manager hochgearbeitet" hat."
Es tut mir Leid, Mister Bodie, aber ich habe da keine Theorie. Alles was wir ermittelt haben, steht in den Berichten. Aber wieso seid Ihr an der Sache dran? Fürchtet Ihr einen weiteren Mord?"
Sagt Dir der Name Krampus etwas?"
Doyle entgeht nicht, dass Heike leicht zusammenzuckt. Nein, wer soll das sein?" stößt sie hervor.
Na, Knecht Ruprecht."
Also jetzt redest Du in Rätsel für mich, Ray. Ich kann Dir jetzt nicht folgen. Soll dieser Krampus der Mörder sein?"
Bodie steht auf und geht langsam Richtung Christbaum. Heike rutscht unruhig auf dem Sessel hin und her. Ihr Blick folgt Bodie, der sich langsam bückt, und die Figur neben dem Weihnachtsmann aufhebt.
Heike springt auf und läuft Richtung Küche. Ich glaube, ich habe vergessen, den Herd auszuschalten."
Gleich darauf kommt sie wieder aus der Küche zurück, die Hände hinter dem Rücken haltend. Sie geht auf Bodie zu, bedacht darauf, dass Doyle nicht sieht, was sie hinter ihrem Rücken hält.
Bodie hält ihr die Figur entgegen. Wer ist das?"
Krampus" zischt Heike und tritt einen Schritt auf Bodie zu. Da erkennt Doyle, was sie hinter ihrem Rücken versteckt hat: ein Messer.
Bodie" ruft er erschrocken aus und spurtet los. Bodie gelingt es, das Handgelenk von Heike zu fassen. Aber sie ist wie eine Furie und versetzt im mit dem Ellenbogen einen Schlag in die Rippen, genau dorthin, wo vorgestern auch Doyle hingetroffen hatte. Bodie bleibt der Atem weg und Heike scheint den Moment nutzen zu wollen und Bodie das Messer an die Kehle zu setzen. Doch sie hat offensichtlich nicht mit Doyle gerechnet. Hart packt Doyle von hinten ihr Handgelenk, dreht ihr den Arm auf den Rücken und zwingt sie, das Messer fallen zu lassen.
Bodie dreht ihr den zweiten Arm auf den Rücken und legt ihr Handschellen an. Ein irrer Blick glitzert in Heikes Augen und sie beginnt hysterisch zu lachen.
Während Doyle Cowley verständigt, drängt Bodie sie, sich auf die Couch zu setzen. Seine Rippen bereiten ihm Probleme und er setzt sich steif auf den Sessel.
Cowley ist unterwegs. Er verständigt auch den psychiatrischen Notdienst. - Bodie, bist Du okay?"
Ja," presst Bodie hervor. Jetzt schulde ich Dir einen Gefallen. Und erinnere mich bitte daran, dass ich nie mehr einen Trainingskampf mit Dir beginne, wenn wir Beide nicht voll zurechnungsfähig sind. - Nicht lachen, Doyle, das tut weh."
Entschuldige, Bodie."
Trotz der Schmerzen in seinen Rippen kann auch Bodie ein Lachen nicht vermeiden. Er ist zu erleichtert, seinen Partner endlich wieder lachen zu sehen und nachdem sie diesen grausigen Fall gelöst haben, scheint sich alle Anspannung gelöst zu haben.
Bodie, weißt Du, was für einen Tag wir heute haben?"
Ja, den 21. Dezember, warum?"
Heute ist der kürzeste Tag im Jahr. Ab morgen werden die Tage wieder länger. Ich kann es kaum erwarten." Ihr Lachen wird nur von dem hysterischen Kreischen von Heike übertönt.
**
Kurze Zeit später trifft Cowley zusammen mit dem Forensic-Team und Dr. Ross ein. Gleich danach kommen auch die weißen Männchen, wie Doyle später grinsend die Mitarbeiter des psychiatrischen Notdienstes bezeichnet. Nach Rücksprache mit dem Arzt und Dr. Ross veranlasst Cowley den Abtransport von Heike Thompson in die psychiatrische Klinik und ordnet die Bewachung durch Lucas und McCabe an.
Zufrieden wendet er sich an Bodie und Doyle. Ich gratuliere Ihnen. Sie haben es also doch noch rechtzeitig geschafft. Wie sind Sie auf Misses Thompson gekommen?"
Doyle ist heute Morgen darauf gekommen."
Ja, mir fiel plötzlich auf, dass sie an allen Fällen mitgearbeitet hat. Ich bin nur nicht gleich darauf gekommen, weil sie durch zwei Eheschließungen ihren Familiennamen zweimal geändert hat und ihr Vorname in den Akten nicht ausgeschrieben war. Erst als ich dann ihre Personalakte durchgegangen bin, ist es mir aufgefallen. Ich hätte jedoch nicht gedacht, dass es so einfach ist, sie zu überführen."
Sie hat sich praktisch selbst verraten und die Nerven verloren." ergänzt Bodie.
Sie ist eine schwer kranke Frau," merkt Dr. Ross an. Sie hat sich von Ihnen in die Enge getrieben gefühlt und hat durchgedreht." Fragend blickt sie Cowley an. Na, war mein Vorschlag nun richtig?"
Ich muss zugeben, ich war mehr als skeptisch, aber es hat sich ausgezahlt. Danke, Dr. Ross."
Bodie und Doyle sehen sich nur verwundert an, sie begreifen nicht, wovon die Beiden reden.
Cowley nimmt verwundert zur Kenntnis, dass Doyle jetzt äußerst besorgt um Bodie ist. Er hilft ihm von der Couch hoch und unterrichtet Cowley davon, dass er ihn zu Dr. Baker bringt, da er Angst hat, dass der Schlag von Heike Bodies Rippen angeknackst haben könnte. Bodie lässt sich bereitwillig von Doyle helfen.
Ich erwarte Morgen Ihren schriftlichen Bericht!" ruft er ihnen nach.
**
Nehmen Sie Platz."
Ich würde lieber stehen, Sir." entgegnet Bodie. Das was Doyle nicht geschafft hat, hat dieses verrückte Weib geschafft. Zwei meiner Rippen sind angeknackst."
Ich darf Ihnen den Dank von Mister Parker und vom Minister übermitteln. Beide sind äußert glücklich, dass dieser Spuk endlich ein Ende hat. Neun unschuldige Menschen mussten sterben ..."
Weiß man schon, warum sie es gemacht hat?" unterbricht Doyle Cowley.
Nein, sie ist zu keiner Aussage fähig. Aber die Beweise, die wir in ihrer Wohnung gefunden haben und ihre Tagebuchaufzeichnungen überführen Sie eindeutig als Täterin. Dr. Ross ist sich jedoch nicht sicher, ob es jemals einen Prozess geben wird. Sie scheint in eine schwere Psychose verfallen zu sein und es scheint im Moment so, dass sie den Rest ihres Lebens in der geschlossenen Psychiatrie verbringen wird. Wir werden wohl nie genau erfahren, warum sie diese Morde begangen hat. - Apropos Psychiatrie, Sie Beide haben noch ausstehende Termine bei Dr. Ross."
Nein, nicht nötig, Sir. Die Tage werden jetzt wieder länger und außerdem hat mir Bodie eine Packung mit Johanniskrauttee geschenkt:"
Cowley blickt sie verwundert an. Aus dieser Antwort von Doyle wird er nicht schlau. Bevor er jedoch nachhaken kann, wünschen ihm die Beiden schöne Feiertage und huschen aus seinem Büro.
Der Ruf Bodie! Doyle!" verhallt scheinbar ungehört im Flur.
Ende
by Gitti, geschrieben 01.01.2001
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