KLEINGEDRUCKTES:

Eventuell auftretende Ähnlichkeiten der Charaktere in dieser Story mit lebenden, verstorbenen, sowie real existierenden, fiktiven Personen sind teilweise zufällig.

Die unautorisierte Verwendung der „Helden“ dient ausschließlich dem einen guten Zweck: sie in der Fan-Welt für immer weiterleben zu lassen!

Die Idee für diese Story ist von Renate. Entwickelt wurde die Geschichte von Gitti und mir. Jeder von uns beiden hat daraufhin eine Story über dasselbe Thema geschrieben – wir empfehlen beide! (Gitti’s Story ist zurzeit leider nur in englischer Sprache verfügbar.)

Mein Dank gilt besonders Gitti, sowie Renate für’s „beta-lesen“ und ihre Unterstützung!

 

 

Die Welt kann nichts dafür

 

Er saß da und hielt ihre Hand. Immer wieder kreisten seine Gedanken um das, was passiert war.

Sie hatte gar nichts damit zu tun gehabt. Eine unschuldige Passantin, sozusagen.

‚Warum musste sie dem Kerl in die Schusslinie geraten?’ ,fragte er sich.

Doyle seufzte und sah sich im Krankenzimmer um. Es war fast leer und wirkte darum umso steriler. Ein kalter Schauer lief ihm über den Rücken.

‚Solche Räume in einem Krankenhaus sind meistens die letzte Station eines Patienten.’

Sie wird sterben. Die Ärzte wussten das und er wusste das auch.

Man hatte alles Erdenkliche getan, um ihr helfen zu können, doch nach der Operation stand fest, dass sie keine Chance hatte.

Ihre Mutter war nervlich nicht in der Lage, sie beim Sterben zu begleiten.

Sein Blick ruhte nun auf ihrem Gesicht. Sie war noch ein Teenager.

‚So jung und unschuldig, - wahrhaftig unschuldig. Ihr ganzes Leben läge noch vor ihr, wäre sie nicht ausgerechnet heute mittag durch diese Straße gegangen. - Stattdessen hat sie nun den Tod vor sich.

Ich hätte sehen müssen, dass sie die Straße überquerte. Ich hätte ihr etwas zurufen können... irgendwie hätte ich sie schützen müssen!’

Doyle’s Betroffenheit verwandelte sich langsam. Wieder blickte er sich im Zimmer um. Er beobachtete die Beatmungsmaschine, den Monitor, die Infusionen, das Mädchen.

Kurze Zeit später spürte er, wie ihre Hand erschlaffte und er vernahm einen Dauerton vom Monitor.

Doyle sah in das Gesicht des Mädchens; sie lag noch immer genauso da, nur schien sie jetzt irgendwie friedlicher. Tränen füllten seine Augen.

Als der Arzt hereinkam, verließ Doyle wortlos den Raum und ging geradewegs zum Parkplatz. Er setzte sich in seinen Wagen und blieb dort eine ganze Weile ruhig sitzen.

‚Nein! Verdammt! Warum? !’

Das einschnürende Gefühl in seinem Magen verhinderte, dass er die Worte laut schrie. Mit einem gewaltigen Schlag auf das Lenkrad, dem weitere, kräftige Schläge folgten, ließ er seiner Wut dann freien Lauf. Die Tränen rannen über sein Gesicht, als er den Wagen startete und mit quietschenden Reifen losfuhr.

 

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In der Zentrale des CI5 bereitete Betty gerade einen Tee für ihren Chef, als dieser, mit einem Stapel Akten beladen, das Büro betrat; dicht gefolgt von Bodie, der ebenso beladen war.

„Danke, Bodie. Ich werde diese Akten heute Nacht durchgehen. –Betty, Sie können dann Feierabend machen!“

„ Mr. Cowley, Sie wollen doch nicht etwa schon wieder im Büro übernachten?“, fragte Betty ungläubig.

„ Nein, Betty. Ich übernachte hier nicht, ich arbeite!“

Cowleys Antwort war keinesfalls komisch gemeint, wie man am scharfen Ton erkennen konnte. Die Ereignisse des Tages hatten nicht gerade zur Verbesserung seiner Laune beigetragen.

„Natürlich, Mr. Cowley. Gute Nacht, Sir.“

„Ja, gute Nacht. – Bodie, Sie können ebenfalls gehen, sobald Sie mit Ihrem Bericht fertig sind.“

„Danke, Sir.“

Bodie war erleichtert, dass er Cowley nicht bei dessen nächtlicher Aktenschnüffelei unterstützen musste. Schnellstmöglich verließ er das Büro des CI5-Controllers.

 

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Als Doyle seinen Capri vor dem HQ zum Stehen brachte, gab er sich keine Mühe, diesen in eine Lücke zu parken. Ohne den Wagen abzuschließen, rannte er in das Gebäude und sprintete die Treppen hinauf. Er stieß die Tür zu Cowleys Büro mit einer solchen Wucht auf, dass sie mit einem lauten Krachen an einen Schrank stieß.

Erschrocken blickte Cowley von seinen Akten auf und nahm seine Brille ab.

„Ach, Sie sind es, Doyle. Schließen Sie die Tür.“

Cowleys gelassene Reaktion war nur ein Versuch, seinen scheinbar aufgebrachten Agenten zu beruhigen. Doch Doyle schien das gar nicht gehört zu haben. Heftig atmend fischte er seinen Dienstausweis aus der hinteren Gesäßtasche seiner Jeans und warf ihn auf Cowleys Schreibtisch.

„ Mir reicht es, Mr. Cowley.“, zischte Doyle wütend, doch dann verlor er die Beherrschung und schrie „Ich gehe! Suchen Sie sich einen anderen Idioten, der dumm genug ist, an Ihre irrealen Ideen zu glauben!“

Doyle nahm seine Dienstwaffe heraus und wiegte sie in seiner Hand.

„Mit solchen Dingern werden hier in London heutzutage Teenager auf offener Straße erschossen! – Ich will so ein Ding nicht!“

Mit Schwung warf Doyle die Pistole quer durch den Raum, so dass sie an die Wand neben Cowley prallte.

Cowley war geschockt von Doyles Wutausbruch. Doch bevor er etwas sagen konnte, flog ein Stuhl in hohem Bogen auf seinen Schreibtisch. Aktenordner fielen schwer zu Boden und einzelne Blätter segelten durch die Luft.

„Hören Sie auf, Doyle!“, befahl Cowley.

Doch Doyle war vollkommen ausgerastet, näherte sich Cowley und holte mit seiner Rechten aus, um Cowley einen Faustschlag auf dessen Kinn zu verpassen.

In diesem Augenblick wurde Doyles Faust gestoppt.

Keiner der beiden Männer hatte bemerkt, dass Bodie den Raum betreten hatte.

Durch den Lärm aus dem Büro seines vermeintlich arbeitenden Chefs war Bodie aufgeschreckt worden und war unverzüglich dorthin gerannt.

Als Doyle feststellte, dass sein Partner seinen Unterarm im Griff hatte, deutete er zunächst eine Attacke gegen Bodie an. Doch dann sah er ihm in die Augen, stöhnte resigniert auf und befreite sich mit einer trotzigen Bewegung. Danach eilte er aus Cowleys Büro.

Mit einem kurzen Blick durch das Fenster sah Bodie Doyle mit seinem Capri davonrasen und blickte seinen Chef besorgt an:

„Was ist passiert?“

„Das Mädchen ist seinen Verletzungen erlegen.“, sagte Cowley leise.

„Mist.“

Hierzu nickte Cowley nur und begann, seine Unterlagen wieder einzusammeln. Ohne ein weiteres Wort lief Bodie aus dem verwüsteten Büro, um Doyle zu folgen.

 

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Bodie kannte Doyle zu genau, um nicht zu wissen, welche Orte dieser bevorzugt, wenn er in einer solchen Stimmung war. Darum dauerte es auch nicht allzu lang, bis er Doyles Wagen in der Nähe der Themse fand.

Bodie stieg aus seinem Wagen und bemerkte die leichte Brise vom Wasser her.

„So eine laue, sternenklare Sommernacht könnte man auch für einen romantischen Spaziergang nutzen.“ , sagte Bodie, als er Doyle gefunden hatte.

Doyle saß am Ufer und warf kleine Steine ins Wasser.

„Hau ab und quatsch’ mich nicht voll.“, knurrte Doyle, ohne Bodie anzusehen.

Bodie blieb stehen und kam nicht näher. Er setzte sich in einiger Entfernung ebenfalls ans Ufer.

„Was ist los mit Dir, Ray?“ Bodies Stimme klang besorgt.

„Mit mir ist überhaupt nichts los. Mit meiner Umwelt stimmt was nicht!“

„Ach ja! ?“

Bodies fast verächtliche Frage schürte Doyles Wut erneut an:

„Willst Du behaupten, dass es in Ordnung ist, wenn ein junges Mädchen am helllichten Tage auf offener Straße erschossen wird? ! Findest Du, dass es wichtiger ist, zwei kleine Ganoven zu fangen, als unschuldige Passanten davor zu bewahren, dass sie ermordet werden? ! Glaubst du, der CI5 hat die Berechtigung, zu entscheiden, was wichtiger ist? !“

Bodie schüttelte verzweifelt den Kopf:

„Du hast nichts verstanden, Doyle. Diese >zwei kleinen Ganoven< sind gefährlich genug. Und es ist unsere verdammte Pflicht, solche Verbrecher unschädlich zu machen. Oder willst du sie lieber frei herumlaufen sehen?“

„Was nützt es, wenn wir unschuldige Menschen für die Ergreifung krimineller Elemente opfern? !“ schrie Doyle Bodie an.

„Ray! Das Mädchen wurde nicht >geopfert<! Es war nur ein dummer Zufall, dass sie gerade während des Schusswechsels die Straße überquert hat.“

Bodie versucht, seinen Partner wieder zu beruhigen.

„Ja, >dumme Zufälle< gibt es öfter.“ , antwortete Doyle zynisch.

„Du zweifelst also an der Effektivität unserer Arbeit? – Ein erschossener Attentäter rettet das Leben mehrerer Politiker und ein geknackter Drogenring kann Hunderte von Jugendlichen vor dem goldenen Schuss bewahren!“

„Ja, und was ist mit den ganzen Fehlschlägen? Wie viele Kollegen vom CI5 haben wir schon verloren? Wie viele Frauen sind durch unsere Unfähigkeit zu Witwen geworden, wie viele Kinder zu Waisen? !“

Doyle war näher an Bodie herangerückt, doch seine Wut ließ ihn noch immer laut schreien. Mit kräftigem Schwung warf er weiterhin Steine ins Wasser, um seinen Sätzen Nachdruck zu verleihen.

„Ach, und Du bildest Dir ein, wenn Du kündigst, änderst Du etwas daran, ja?“

„Nein, nicht daran. Aber für mich ändert sich etwas: ich erfahre nicht täglich, was hier in unserem Land alles faul ist!“

„Was ist denn so faul in unserem Land? Es gibt weiß Gott miesere Flecken auf dieser Erde!“

Doyle war aufgesprungen und machte eine gebieterische Handbewegung:

„Ja, natürlich! Ich weiß schon, was Du meinst: Deinen sagenumwobenen Dschungel zum Beispiel! Bodie! Ich lebe hier! In einem der zivilisiertesten Länder der Erde! Und selbst hier kommen Babys bereits drogenabhängig zur Welt, weil ihre Mütter, die eigentlich fast selbst noch Kinder sind, drogenabhängig sind! Hier gibt es bewaffnete Raubüberfälle und Attentate auf Politiker! Und das trotz eines angeblich gut aufgebauten Polizeisystems mitsamt seinen Spezialeinheiten! – Das ist faul! Und ich will nicht zu denen gehören, die dabei sind und doch nichts ausrichten können. ...Es hat doch alles gar keinen Sinn.“

Seine Wut hatte sich allmählich mit Resignation vermischt. Unschlüssig stand Doyle am Themse-Ufer und steckte seine Hände in die Hosentaschen.

Auch Bodie stand auf. Er legte seinen Arm freundschaftlich um Doyles Schulter:

„Komm, Ray, ich habe einen guten Malt zu Hause.“

Ohne eine Antwort zu geben, folgte Doyle Bodies Wagen bis zur Wohnung seines Partners.

 

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Nachdem Bodie auf Doyle gewartet hatte, gingen sie gemeinsam hinein. Bodie stellte eine volle Flasche Malt- Whiskey auf den Tisch, dazu zwei Gläser und schenkte ein.

Doyle lehnte sich auf dem Sofa zurück und nahm einen großen Schluck, während Bodie sein Glas erhob:

„Cheers!“, er nippte nur an seinem Drink, um sofort weiter zu sprechen:

„Du hättest Cowley beinahe einen Kinnhaken verpasst. - Alle Achtung, Ray!“

Bodie konnte ein leichtes Grinsen nicht verkneifen, doch Doyle fand das gar nicht komisch.

„Das hätte er schon längst verdient! Und es spielt sowieso keine Rolle mehr.“

„Weil Du gekündigt hast? Du denkst, Du kommst so einfach davon? Ich kann mir nicht vorstellen, dass der Alte Dich nach Deinem Anfall ohne Konsequenzen aus seinem Kader streicht.“

Zweifelnd blickte Bodie seinen Partner an, der sich bereits ein weiteres Glas einschenkte.

„Die Konsequenzen sind mir scheißegal, Bodie. Ich will einfach nicht mehr für diesen Verein arbeiten. – Ich will nicht mehr täglich für Cowley mein Leben riskieren, unter dem Vorwand, andere zu schützen!“

„Warum nicht?“

„Weil es nicht stimmt! Verdammt, merkst Du nicht, dass immer wieder auch die Guten oder Unschuldige draufgehen?“

Hierzu schwieg Bodie. Sie tranken wortlos ihren Whiskey, bis Doyle erneut begann:

„Ich war bei ihr, als sie starb, Bodie.“

Bodie schluckte, wissend, wie sehr diese Sache Doyle mitgenommen haben musste.

„Ja, armes Mädchen.“

Das war alles, was Bodie dazu sagen konnte und goss Doyle einen weiteren Drink ein, als dieser ihm auffordernd sein Glas hinhielt. Doyle leerte sein Glas mit einem Zug und ließ sich noch einmal einschenken. Dann legte Doyle sein Gesicht in seine Hände. Bodie beobachtete, wie Doyle’s Körper zu zittern begann und vernahm dann ein verhaltenes Schluchzen, das immer heftiger wurde.

„Sie war absolut unbeteiligt, Bodie! Warum musste sie sterben?“

Bodie antwortete nicht, sondern sah betroffen in sein Whiskey-Glas, das er in der Hand hielt.

„Wir konnten sie nicht vor den Kugeln schützen, die Ärzte konnten ihr nicht mehr helfen – die Welt ist so ungerecht, Bodie!“ , fuhr Doyle nun weinend fort.

Ratlos legte Bodie seinen Arm um Doyles Schulter und versuchte, ihn zu trösten:

„Die Welt kann nichts dafür, Ray. Sie ist nur schwer zu verstehen und nicht immer mit Deinem Gewissen und mit Deiner Vorstellung von Gerechtigkeit vereinbar.“

Doyle schüttelte verzweifelt den Kopf. Er wischte sich die Tränen aus dem Gesicht.

„Die Tochter von diesem Mickey Hamilton zum Beispiel- sie kam schwer krank zur Welt, hatte eine Mutter, die sich bald darauf das Leben nahm. Ihr Vater ist durchgedreht, das Kind starb.

Und Hamilton wurde erschossen, obwohl er bereits aufgegeben hatte... -“

„Er war ein Mörder, Ray. Er hatte mehrere Ärzte getötet!“, unterbrach ihn Bodie.

„Aber er hatte aufgegeben, es war nicht nötig, ihn zu erschießen! Es ist ungerecht, einfach ungerecht!“

Wieder schüttelte ihn sein Schluchzen. Zitternd nahm er die Flasche und entleerte sie in sein Glas.

„Cookie hätte auch nicht sterben dürfen! June, die Kinder... es ist so ungerecht... Bodie, wir sind doch auf der richtigen Seite, oder? Ich meine, ein wirklich guter Mensch, der darf doch nicht einfach so aus dem Leben genommen werden, Bodie! ? Ein guter Polizist zum Beispiel, so einer wie Syd Parker... er tat nur seine Pflicht..“

Doyles Stimme versagte. Laut weinte er sich neben Bodie aus, der geduldig wartete, bis Doyle erschöpft Bodies Arm von seiner Schulter schob. Mit seinem rechten Ärmel wischte er sich den Schweiß und die Tränen ab.

„Natürlich sind wir auf der richtigen Seite, Ray. Aber was willst Du? Du kannst nicht Gott spielen!“

Doyles Augen starrten ins Leere.

„Syd war mein Partner. – Eines Tages werde ich vielleicht auch Dich verlieren, Bodie. Oder, wer weiß, vielleicht habe am Ende ich die Ehre, getötet zu werden?“

Fest blickte Doyle nun in Bodies Augen.

„Du kannst mir nicht erzählen, dass Du auf einmal Angst hast. Das nehme ich Dir nicht ab!“

„Ich habe keine Angst, ich bin einfach frustriert. Und ich will nicht mehr. Ich will einfach nicht mehr Zielscheibe sein und ich will mir keine Gedanken mehr um irgendwelche Wahnsinnigen und ihre Opfer machen müssen. Ich will endlich ein ganz normales Leben führen, Bodie!“ , sagte Doyle mit zitternder Stimme.

Die Tränen waren versiegt, doch das Sprechen fiel ihm schwer. Er legte seinen Kopf zurück. Es war ein langer Tag; seine heutigen Erlebnisse und der Alkohol forderten ihren Tribut: eine unbesiegbare Müdigkeit überkam ihn.

„Ha! Ein ganz normales Leben - daran habe ich auch schon oft gedacht, aber bei meiner Vergangenheit ist das wohl unmöglich. – Sie holt mich immer wieder ein, wie Du weißt.“

Bodies Worte hatte Doyle nur noch im Unterbewusstsein wahrgenommen, denn er war bereits eingeschlafen.

Bodie nahm die Gläser und die Flasche vom Tisch.

„Gute Nacht, Sunshine.“ , murmelte er und ging ebenfalls schlafen.

 

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Am nächsten Morgen begegneten sich Doyle und Bodie in der Küche.

„’Morgen, Bodie. Frag mich nicht, wie ich geschlafen habe.“

„Wie hast Du geschlafen?“, fragte Bodie mit einem breiten Grinsen auf seinem Gesicht.

„Miserabel, Dein Sofa ist zu weich. Und Du solltest mich nicht fragen.“, war die brummige Antwort von Doyle.

„Hat der gnädige Herr sonst noch Wünsche? Kaffee? Tee? Toast? Eier?“ Bodie war in recht guter Stimmung und hoffte, dass Doyle sich wieder gefangen hatte.

„Ja. Kaffee und Aspirin, sonst nichts, danke. – Mir brummt der Schädel.“

„Kein Wunder.“

Bodie deutete auf die leere Flasche. Er reichte Doyle eine Schachtel Tabletten und eine große Tasse Kaffee.

„Bodie?“

„Hm?“ ,fragte er, seinen Toast kauend.

„Danke. Für gestern, meine ich. Ich habe mich benommen wie ein Idiot, stimmt’s?“

„Kommt drauf an, was genau Du meinst... Cowley?“

Doyle seufzte:

„Ja, ich fürchte, ich muss mich bei dem Alten entschuldigen.“

„Und Deine Kündigung zurücknehmen.“, sagte Bodie grinsend und mit vollem Mund.

„Nein. Das war durchaus Ernst gemeint. – Am besten fahre ich gleich, dann habe ich es hinter mir.“

Doyle stand auf und ging zur Tür. Bodie wollte ihm sofort folgen, doch dann zögerte er bei dem Anblick seines zweiten Toasts. Kurzentschlossen nahm er den Toast mit und aß ihn auf dem Weg zum HQ.

 

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Gemeinsam betraten Doyle und Bodie Cowleys Büro. Die gestrige Verwüstung war weitgehend beseitigt worden. Nur ein Loch in der Wand neben Cowleys Schreibtisch zeugte noch von der Auseinandersetzung, die Doyle mit seinem Chef gehabt hatte. Mit einer Handbewegung deutete der CI5-Controller den beiden Männern an, noch zu warten, bis er das Telefongespräch beendet hatte. Nachdem er den Hörer aufgelegt hatte, sah er seine beiden Agenten durchdringend an.

„Guten Morgen, die Herren. Nun, Doyle! ?“, fragte er fordernd.

„Sir, soll ich vielleicht noch draußen warten, bis...“

„Sie sind nicht gefragt, Bodie! Setzen Sie sich und seien Sie ruhig!“, befahl Cowley barsch.

Stumm gehorchte Bodie und setzte sich auf einen Stuhl neben der Tür.

„Sir, es tut mir leid, dass ich gestern aus der Rolle gefallen bin.“, sagte Doyle gerade heraus.

„Nun, ich nehme Ihre Entschuldigung zur Kenntnis, Doyle. Aber unter den gegebenen Umständen kann ich Sie keinesfalls weiterhin mit der Sicherheit unseres Landes betrauen.“

„Ich habe bereits meinen Dienst quittiert, Sir. Geben Sie mir die Papiere, damit ich sie unterschreiben kann.“

Doyles Blick bestätigte Cowley, dass er es wirklich ernst meinte.

Cowley holte ein mehrseitiges Schreiben aus seiner Schublade. Doyle streckte seine Hand aus, um es in Empfang zu nehmen, doch Cowley legte es auf seinen Schreibtisch und hielt es fest. Streng fragte er:

„Und was wollen Sie stattdessen tun?“

„Das weiß ich noch nicht, Sir. – Irgendwas wird sich schon finden.“, antwortete Doyle scheinbar gleichmütig.

„Wie wäre es mit Gefängniswärter? - Es wäre wünschenswert, wenn sich jemand intensiver um das Seelenleben der Gefangenen kümmern würde... oder Sozialarbeiter, dann könnten Sie vielleicht ebenfalls ein paar unschuldige Seelen retten... oder Krankenpfleger? – Sie eignen sich doch hervorragend als Samariter, Doyle!“, versuchte der CI5-Controller, seinen Agenten zu provozieren.

Doch Doyle antwortete zunächst nicht. Also hakte George Cowley noch einmal nach:

„Glauben Sie nicht, dass Ihnen da etwas fehlen würde! ?“

„Was sollte mir da fehlen, Sir? – Bodie etwa?“ Die Aggression stieg wieder in Doyle hoch..

„Bei wem wollen Sie denn dann Ihre Wutausbrüche ablassen?“

„Ich, Wutausbrüche? Sir! Niemals!“,spottete Doyle.

„Denken Sie, alle Leute sind so geduldig?“ Cowley ging nicht auf Doyles Ironie ein.

„Nein, aber...“

Cowley unterbrach ihn mit einer resoluten Handbewegung:

„Überlegen Sie es sich, Doyle! Ich mache Ihnen hier ein Friedensangebot; es gilt noch genau... 60 Sekunden. Sie können danach gehen oder bleiben – es liegt bei Ihnen.“

Doyle fragte skeptisch: „Und wenn ich bleibe?“

„Dann haben Sie weiterhin die Chance, das Wohlergehen der britischen Bevölkerung zumindest manchmal mit in der Hand zu haben!“, klärte Cowley Doyle auf.

Höhnisch lachend ergänzte Doyle den Satz:

„...und weiterhin unschuldige Menschen sterben zu sehen. – Nein danke!“

„Und wenn Sie gehen, Doyle, dann werden noch mehr unschuldige Menschen sterben, auch wenn Sie es nicht sehen. – Die 60 Sekunden sind um – Sie bleiben also?“, fügte Cowley noch ergänzend hinzu.

Verächtlich schnaubte Doyle:

„Wenn ich es nicht tue, tut es ein Anderer.“

„Sicher,“ stimmte Cowley ihm zu, „Bodie wird einen neuen Partner brauchen - und bekommen...“

Doyle atmete tief ein.

„Na schön, Mr. Cowley. Sie haben gewonnen. – Ich sehe es ein, es bewirkt keine positive Änderung, wenn ich gehe.“

Unsicher blickte Doyle zu Bodie. Bodie saß grinsend auf seinem Stuhl und seufzte erleichtert bei Doyles Worten.

Cowley zerriss demonstrativ das Kündigungsschreiben und wandte sich wieder Doyle zu.

„Hier – nehmen Sie die Akten mit. Sie müssen noch auf Hinweise zu dem gestrigen Fall durchgesehen werden... nachdem Sie sie wieder geordnet haben! Danach melden Sie sich wieder bei mir: der MI6 benötigt unsere Hilfe und Sie, Doyle, werden denen behilflich sein!“

„Sie wollen mich ausleihen, Sir?“, fragte Doyle ungläubig, als er seinen Chef selbstzufrieden lächeln sah.

„Gehen Sie jetzt, bevor ich mir etwas Anderes zu Ihrer Bestrafung ausdenke!“

Diesem Befehl folgend, verließ Doyle (nicht wirklich erleichtert) das Büro des Controllers.

„Helfen Sie Doyle ruhig beim Sortieren der Unterlagen. - Murphy ist gerade dabei, die Kerle von gestern zu verhören. Wenn er damit fertig ist, können Sie diese mit Murphy ins Gefängnis überstellen.“

 

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Draußen vor der Tür wartete Doyle. Gemeinsam machten sie sich auf den Weg zu ihrem Arbeitsraum.

„Ausgerechnet MI6! Womöglich muss ich dann noch mit diesem unfähigen Typen zusammenarbeiten – wie heißt der noch?“

„Williams. –Sei froh, es hätte schlimmer kommen können.“, bemerkte Bodie schadenfroh.

„Ach ja?“ Doyle sah seinen Partner skeptisch an.

„Ja. Ich an seiner Stelle hätte Dich zuerst zu Dr. Ross geschickt und danach zu Macklin, bevor ich Dich irgendwohin verliehen hätte!“, antwortete Bodie lachend.

„Bin ich froh, dass Du nicht mein Chef bist.“

„Ja, da hast Du wirklich Glück, Ray.“

Doyle wollte Bodie hierfür spaßeshalber einen Stoß in die Rippen geben, wobei ihm beinahe die Akten aus den Armen geglitten wären.

Lachend verschwanden beide Männer hinter der Tür, die Bodie seinem Kollegen geöffnet hatte.

 

------------------------------------------------- ENDE -----------------------------------------------------

by Susi, Januar 2001

 

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